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Demokratie
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Demokratie (von altgriechisch ÎŽÎ·ÎŒÎżÎșÏαÏία dÄmokratĂa Volksherrschaft) ist ein Begriff fĂŒr Formen der Herrschaftsorganisation auf der Grundlage der Partizipation bzw. Teilhabe aller an der politischen Willensbildung. Es handelt sich um einen zentralen Begriff der Politikwissenschaft, der ursprĂŒnglich aus der Staatsformenlehre stammt und in der Demokratietheorie erörtert wird. Die erste begriffliche ErwĂ€hnung findet sich bezogen auf die Attische Demokratie bei Herodot. Ideengeschichtlich wegweisend fĂŒr den Begriff war die Definition der Politie bei Aristoteles. Eine schlagwortartige Beschreibung aus der Moderne liefert Abraham Lincolns Gettysburg-Formel von 1863: âRegierung des Volkes, durch das Volk, fĂŒr das Volkâ.cite-ref-1[1]
FĂŒr auf staatlicher Ebene existierende neuzeitliche Demokratien ist eine Kombination von liberalen und reprĂ€sentativen Elementen gĂ€ngig. Zur liberalen Demokratie, wie sie sich nach westlichen Mustern herausgebildet hat, gehören allgemeine, freie und geheime Wahlen, die Aufteilung der Staatsgewalt bei Gesetzgebung, Regierung und Rechtsprechung auf voneinander unabhĂ€ngige Organe (Gewaltenteilung) sowie die Garantie der Grundrechte. In einer reprĂ€sentativen Demokratie, in der gewĂ€hlte ReprĂ€sentanten zentrale politische Entscheidungen treffen, haben oft Parteien maĂgeblichen Anteil an der politischen Willensbildung und an der durch Wahlen legitimierten Regierung. Die Opposition ist fester Bestandteil eines solchen demokratischen Systems, zu dem auch die freie MeinungsĂ€uĂerung samt Pressefreiheit, die Möglichkeit friedlicher Regierungswechsel und der Minderheitenschutz gehören. In einer direkten Demokratie hingegen trifft das Stimmvolk politische Entscheidungen direkt.
Je nach zugrundeliegendem Demokratiebegriff gibt es unterschiedliche Kriterien dafĂŒr, wann ein Staat als Demokratie gilt. Neben und auch statt der bereits genannten Begriffe werden unter anderem VolkssouverĂ€nitĂ€t, Mehrheitsherrschaft, verfassungsmĂ€Ăige Ordnung, allgemeine Wohlfahrt, Pluralismus, Rechts- und Sozialstaatlichkeit, Schutz des Privateigentums genannt. Daher unterscheiden sich die unter der Bezeichnung âDemokratieâ in Vergangenheit und Gegenwart registrierten politischen Systeme.
Forderungen nach demokratischen Strukturen beziehen sich nicht nur auf die gesamtstaatliche Ebene. Sie werden auch fĂŒr Teilbereiche des organisierten Gesellschaftslebens, wie Institutionen, VerbĂ€nde, Vereine oder das Wirtschaftsleben erhoben.
Politische Systeme, die keine Demokratien sind, werden als autoritĂ€re Systeme, Autokratien oder umgangssprachlich Diktaturen bezeichnet. Die genaue Abgrenzung von Demokratien zu letzteren ist nicht einheitlich definiert, die Einordnung einzelner Staaten ist daher hĂ€ufig umstritten. Teilweise werden politische Systeme im Ăbergangsbereich als Hybridregime bezeichnet.
Laut einem von der Wochenzeitung The Economist publizierten Demokratieindex, einer Form der Demokratiemessung nach westlich-liberalen Kriterien, lebten 2024 etwa 8 % der Weltbevölkerung in âvollstĂ€ndigen Demokratienâ, weitere 38 % in âunvollstĂ€ndigen Demokratienâ, 15 % in Hybridregimen und 39 % in Autokratien.
Contents
âą Bedeutungswandel
âą Wertbegriff
âą Geschichte
âą Antike
âą FrĂŒhe Neuzeit
âą 19. Jahrhundert
âą Mischformen
âą MĂŒndige BĂŒrger
âą Lobbyarbeit
âą Postdemokratie
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Anmerkungen
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Definition der Demokratie
Aus der ursprĂŒnglichen Wortbedeutung von Demokratie (Macht oder Herrschaft des Volkes) abgeleitet und um das Objekt der HerrschaftsausĂŒbung logisch erweitert folgert Giovanni Sartori: âDemokratie ist die Macht des Volkes ĂŒber das Volk.â Dabei zu beachten sei, dass die vom Volk nach oben ausgehende Macht â wiederum durch die Kontrolle des Volkes â auch die MachtausĂŒbung nach unten bestimme. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass die Herrschaft ĂŒber das Volk mit der Herrschaft des Volkes nichts zu tun habe. âWer Macht delegiert, kann sie auch verlieren; Wahlen sind nicht notwendig frei; und die ReprĂ€sentation ist nicht unbedingt eine echte.âcite-ref-2[2]
Historisch verĂ€nderlich und umstritten war und ist, wer als dem âVolkâ zugehörig definiert wird und wie es seinen Willen bekunden könne. Der österreichisch-amerikanische Politikwissenschaftler Kurt Leo Shell nennt als Minimaldefinition fĂŒr Demokratie ein System, das allen StaatsbĂŒrgern von einem bestimmten Alter an das gleiche Recht zubilligt, an den sie alle betreffenden Gesetzen zumindest indirekt zu partizipieren und ihren Willen ohne rechtliche Diskriminierung oder UnterdrĂŒckung zu bilden und auszudrĂŒcken.cite-ref-shell-110-3-0[3]
Der in Athen im 5. Jahrhundert v. Chr. entwickelte Begriff der Demokratie hat nur noch wenig Ăhnlichkeit mit der heutigen Verwendung des Begriffs.cite-ref-4[4] Als markantesten Gegensatz zur Demokratie und geradezu als ihr Gegenteil bezeichnet Sartori die Autokratie. Dieser Abgrenzung gemÀà ist Demokratie ein System nach dem Grundsatz, dass niemand sich selbst zum Herrscher erklĂ€ren kann, niemand die Macht unwiderruflich im eigenen Namen innehaben kann.cite-ref-sartori209-5-0[5]
FĂŒr Samuel Salzborn liegt es im Wesen der Demokratie selbst, sich einer verbindlichen, konsensfĂ€higen Definition zu entziehen. Was die Demokratie kennzeichne, mĂŒsse umstritten sein, weil es zum demokratischen Prozess gehöre, Interessenkonflikte zu organisieren und ihnen zur Artikulation zu verhelfen. In Anlehnung an Gunnar Folke Schuppert bezeichnet Salzborn Demokratie als âein Verfahren der Legitimation, der Kontrolle und der Kritik politischer Herrschaftâ. Im Unterschied zu einer vor allem auf normative Aspekte orientierten statischen Definition lasse sich so der funktionale Charakter von Demokratie fassen, und zwar vor allem durch eine negative Bestimmung im VerhĂ€ltnis zur organisierten Herrschaft. âDemokratie fordert die Legitimation (ohne bereits genau zu bestimmen durch wen, von wem und auf welche Weise), sie fordert die Kontrolle (ebenfalls ohne eine substanzielle ErklĂ€rung darĂŒber, wie und auf welche Weise) und sie zielt auf die Kritik von politischer Herrschaft â als dauerhaften und unabgeschlossenen Prozess.âcite-ref-6[6]
Ursprung der Demokratie
Der Ausdruck Demokratie ist auf altgriechisch ÎŽÎ·ÎŒÎżÎșÏαÏία zurĂŒckzufĂŒhren, ein Kompositum aus ÎŽáżÎŒÎżÏ dážmos âVolkâ und ÎșÏÎŹÏÎżÏ krĂĄtos âKraft; Macht; Herrschaftâ.cite-ref-7[7] Die Endung -kratia bezeichnet dabei, anders als Wörter mit der Endung -archie, nicht die Zahl der jeweils Herrschenden, denen ein Amtsmonopol attestiert wird, sondern die QualitĂ€t des Regierungsprinzips.cite-ref-8[8] Die erste ErwĂ€hnung der Bezeichnung Demokratie findet sich bei Herodot um 430 v. Chr., als die so bezeichnete Herrschaftsform bereits mehrere Jahrzehnte praktiziert worden war.cite-ref-9[9] Zur Demokratie hinleitende Begriffe im Vorfeld waren die mit den Kleisthenischen Reformen in Verbindung stehenden Isonomie (ጰÏÎżÎœÎżÎŒÎŻÎ± âGleichheit vor dem Gesetzâ), Isegorie (ጰÏηγοÏία âgleiches Rederechtâ) und Isokratie (ጰÏÎżÎșÏαÏία âgleicher Anspruch auf Herrschaftâ).
In der ursprĂŒnglichen Bedeutung ist Demokratie laut Giovanni Sartori âdie Regierung oder Macht des Volkesâ. Demos stand dabei fĂŒr die Gemeinschaft, die in der Volksversammlung zusammentrat.cite-ref-10[10] Herodot lĂ€sst Otanes die VorzĂŒge dieser Herrschaft der Vielen wiedergebencite-ref-11[11]: die Amtsbesetzung durch Losverfahren, die Rechenschaftspflicht der AmtstrĂ€ger, die Vorlage aller BeschlĂŒsse vor der Gesamtheit,cite-ref-bienhwph50-12-0[12] die Rechtsgleichheit fĂŒr alle und die Verwerfung jeder WillkĂŒrmacht.cite-ref-13[13] Doch umfasste der Demos in einer griechischen Polis nur die freien MĂ€nner, die als mĂŒndige BĂŒrger an der Ekklesia, der Volksversammlung, teilnahmen, nicht also Frauen, Sklaven und Metöken.cite-ref-14[14]
Bedeutungswandel
Bis ins spĂ€te 18. Jahrhundert stand Demokratie schwerpunktmĂ€Ăig fĂŒr die ursprĂŒngliche Bedeutung eines Gemeinwesens, das sich unter Einbeziehung breiter Kreise seiner Bevölkerung selbst regiert. Unter Bezugnahme auf die attische Demokratie wurde Demokratie in diesem VerstĂ€ndnis mit Chaos, Despotismus der Massen und Demagogie assoziiert.cite-ref-15[15] Erst in den Jahren 1780 bis 1800 trat der Begriff Demokratie aus der Gelehrtensprache heraus, die heutigen Wortbedeutungen entwickelten sich, er wurde als politischer Begriff allgemein verwendet und war jahrzehntelang heftig umkĂ€mpft.cite-ref-16[16] Noch in den 1780er Jahren lehnten die GrĂŒndervĂ€ter der Vereinigten Staaten in den Federalist Papers die âDemokratieâ klar ab und befĂŒrworteten eine Republik mit gewĂ€hlten ReprĂ€sentanten.cite-ref-17[17] Auch im Amerikanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg und in der Französischen Revolution ging es laut Hans VorlĂ€nder noch viel eher um die Republik als um die Demokratie. âSo bestand die Ironie der Geschichte des Demokratiebegriffs darin, dass eigentlich von der Demokratie nicht die Rede war, als es darum ging, die moderne Demokratie zu etablieren. Vielmehr war, in Frankreich genauso wie in Nordamerika oder in Deutschland, von der Republik die Rede, wenn die neue Form der reprĂ€sentativen Demokratie gemeint war.âcite-ref-18[18] Unter Republik wurde im 18. Jahrhundert allgemein ein Gemeinwesen verstanden, in dem die Gesetze herrschten, ein gutes Regiment als Antonym zum zunehmend kritisierten Despotismus.cite-ref-19[19] Der Demokratiebegriff wurde in den revolutionĂ€ren Auseinandersetzungen von der Staatsformbedeutung zum Teil gelöst und zu einem âTendenz- und Bewegungsbegriffâ sozialer und politischer KrĂ€fte. In der Folge entstand dementsprechend das Verb demokratisieren.cite-ref-20[20]
Alexis de Tocqueville veröffentlichte 1835 sein bis heute wichtiges Werk Ăber die Demokratie in Amerika, stellte jedoch spĂ€ter fest: âEs ist unser Gebrauch der Wörter âDemokratieâ und âdemokratische Regierungâ, der zu gröĂter Verwirrung fĂŒhrt. Solange diese Wörter nicht einvernehmlich klar definiert sind, leben die Menschen in einem unbehebbaren Gedankenwirrwarr, sehr zum Vorteil von Demagogen und Despoten.âcite-ref-21[21] Derselbe Begriff Demokratie bezeichnet seitdem viele völlig unterschiedliche Herrschaftsformen. Der norwegische Philosoph Arne NĂŠss dokumentierte 1956 zweihundert verschiedene Definitionen. Laut dem schwedischen Politikwissenschaftler Ludvik Bergman hat Demokratie in der Hauptsache vier Bedeutungen:
âą ein politisches System
âą ein Ideal kollektiver Selbstregierung
âą eine Vorbedingung fĂŒr LegitimitĂ€t bzw. ein Erfordernis fĂŒr Gerechtigkeit als normative Prinzipien
⹠eine Lebensform, die auf gegenseitigem Respekt und der Selbstverpflichtung zu friedlicher Zusammenarbeit (John Dewey) basiert bzw. das Ethos, das in einer egalitÀren Gesellschaft vorherrscht (Alexis de Tocqueville).cite-ref-bergman-2021-22-0[22]
Moderne Demokratie
Demokratie ist zum Oberbegriff vieler politischer Systeme geworden, die sich von der klassischen Demokratie der Antike zumeist stark unterscheiden. Als vieldeutig und widerspruchsvoll erscheint bei Waldemar Besson und Gotthard Jasper, was weltweit als Demokratie und als demokratisch ausgegeben wird. Die Verwirrung beruhe teils darauf, dass Demokratiedefinitionen aus verschiedenen Zeiten und Gesellschaftsordnungen unreflektiert nebeneinander gebraucht wĂŒrden, ohne zwischen dem âprinzipiellen Kernâ des demokratischen Gedankens und seiner jeweils zeitgebundenen Ausformung zu unterscheiden.cite-ref-23[23]
Salzborn nennt als in die moderne Begriffsgenese von Demokratie eingeschriebene Werte: die individuelle Freiheit als Subjekt, die Verbindung von Staats- und VolkssouverĂ€nitĂ€t und die GewĂ€hr elementarer Rechte der Menschen gegen den Staat.cite-ref-24[24] Der Politikwissenschaftler Manfred G. Schmidt definiert Demokratie als âeine Staatsverfassung, in der die Herrschaft bzw. die MachtausĂŒbung auf der Grundlage politischer Freiheit und Gleichheit sowie weitreichender politischer Beteiligungsrechte erwachsener StaatsbĂŒrger erfolgt.â Im Idealfall geschehe dies âin offenen, die Opposition gleichberechtigt einschlieĂenden VorgĂ€ngen der Willensbildung und Entscheidungsfindungâ.cite-ref-25[25]
Im Gegensatz zu anderen demokratietheoretischen Periodisierungen, die die moderne Demokratie zumeist bereits im 18. Jahrhundert mit der Entstehung der Vereinigten Staaten von Amerika und den politischen Auswirkungen der Französischen Revolution ansetzen, sieht Schmidt alle vor dem 20. Jahrhundert verfassten Lehren einschlieĂlich der von Karl Marx als VorlĂ€ufer moderner Demokratietheorien. Diesen fehle die Erfahrung einer entwickelten demokratischen Staatsverfassung mit allgemeinem MĂ€nner- und Frauenwahlrecht und Parteienwettbewerb.cite-ref-26[26]
Laut Sartori beruht die moderne Demokratie erstens auf beschrĂ€nkter Mehrheitsherrschaft, zweitens auf Wahlverfahren und drittens auf reprĂ€sentativer Ăbertragung von Macht. Daraus folgt fĂŒr ihn, dass einige Teilhabeberechtigte politisch einflussreicher sind als andere, dass auch die WĂ€hlermehrheit ânicht wirklich Macht ausĂŒbtâ und dass vieles von dem, was als âWilleâ des Volkes bezeichnet wird, eher einer âZustimmungâ des Volkes Ă€hnelt. âWieviel Erfolg wir auch bei der Wiederherstellung kleiner direkter Demokratien haben mögen, es bleibt die Tatsache, daĂ Demokratien mit persönlichem Kontakt nur Teile gröĂerer Gebilde sein können und letzten Endes Mikrobestandteile eines Gesamtgebildes, das stets eine indirekte Demokratie ist und auf vertikalen VorgĂ€ngen beruht.âcite-ref-27[27]
Unverzichtbarer Garant fĂŒr die Etablierung demokratischer Freiheit ist laut Salzborn die StaatssouverĂ€nitĂ€t. Wer Freiheit wolle, brauche Sicherheit, auch wenn damit eine unbegrenzte persönliche Freiheit nicht vereinbar sei. Ohne das Gewaltmonopol des Staates mit seiner VerfĂŒgungsgewalt ĂŒber den Ausnahmezustand sei Freiheit nur in Zeiten innerer und Ă€uĂerer StabilitĂ€t unbedroht.cite-ref-28[28]
Zur Grundlage eines Messinstruments moderner empirischer Demokratieforschung wurde das von Robert Alan Dahl entwickelte Demokratiekonzept der Polyarchie. Diesen bereits im 17. Jahrhundert fĂŒr eine Ordnung gebrauchten Begriff, der dem Volk die höchste Macht zugeschrieb, griff Dahl unter Abwandlung auf, indem er damit die auf dem allgemeinen MĂ€nner- und Frauenwahlrecht beruhenden ReprĂ€sentativdemokratien verband. Als Indikatoren bzw. MessgröĂen einer AnnĂ€herung der bestehenden Polyarchien an das Ideal einer vollstĂ€ndigen Demokratie, das Dahl nirgendwo verwirklicht sah, bestimmte er eine Reihe wichtiger Kriterien: Wahl und Abwahl der Amtsinhaber; regelmĂ€Ăig stattfindende freie und faire Wahlen; aktive und passive Stimmberechtigung fĂŒr alle mĂŒndigen Staatsangehörigen; freie MeinungsĂ€uĂerung und Informationsfreiheit; ungehinderte Selbstorganisation in politischen Parteien und Interessengruppen.cite-ref-29[29] Sartori sah in der auch aus seiner Sicht mit MĂ€ngeln behafteten existierenden Demokratie eine Wahl-Polyarchie â ein diffuses, offenes System von Einflussgruppen, die fĂŒr Wahlen miteinander konkurrieren. Sein Ziel war eine âselektive Polyarchieâ bzw. eine âPolyarchie des Verdienstesâ, bei der existierende wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten nach John Rawls so zu gestalten seien, dass sie erwartbar zum allseitigen Vorteil dienen und allen freien Ămterzugang bieten.cite-ref-30[30]
Wertbegriff
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war die Bezeichnung Demokratie laut Sartori noch vergleichsweise klar abgegrenzt. Weder Stalin noch Hitler oder Mussolini hĂ€tten einen Anspruch erhoben, dass ihre Regime Demokratien seien. Erst seit 1945 habe sich die Wertbedeutung des Wortes Demokratie dramatisch geĂ€ndert. Anstelle der bewaffneten Auseinandersetzung habe ein Krieg um das Wort mit dem Ziel begonnen, âDemokratieâ auf die eigene Seite zu bringen.cite-ref-31[31] Zur vielseitigen Beanspruchung des Ausdrucks Demokratie zitierte Sartori George Orwell: âFĂŒr ein Wort wie âDemokratieâ gibt es nicht nur keine allgemein anerkannte Definition, sondern ein derartiger Versuch stöĂt auch allseits auf Widerstand [âŠ] Die Verfechter jedes beliebigen Regimes behaupten, es sei eine Demokratie, und befĂŒrchten, sie mĂŒĂten auf den Gebrauch des Wortes verzichten, wenn es auf irgendeine Bedeutung festgelegt wĂŒrde.âcite-ref-32[32]
Demokratie war seit je ein Kampfbegriff und als solcher stets mit starken Wertvorstellungen verbunden. Fortdauernd einflussreiche antike Denker wie Platon und Aristoteles wurden hauptsĂ€chlich mit ihrer Kritik an negativen Folgeerscheinungen demokratischer Herrschaftssysteme ĂŒberliefert und noch in der FrĂŒhen Neuzeit als DemokratieverĂ€chter betrachtet. Der Erste, der den Begriff aufwertete, war der niederlĂ€ndische Philosoph Baruch de Spinoza (1632â1677). Im 21. Jahrhundert ist das Wort stark positiv besetzt und dient unter anderem dazu, Populisten zu delegitimieren, die ihrerseits fĂŒr sich in Anspruch nehmen, die Interessen des Volks zu vertreten. Demokratisch und nichtdemokratisch sind so Synonyme fĂŒr Gut und Böse geworden.cite-ref-33[33]
Geschichte
Vorstellungen davon, was Demokratie ist und sein sollte, sind von der Antike bis in die Gegenwart zumeist verbunden mit sozialen und politischen Demokratisierungsprozessen, heiĂt es bei Salzborn. Demokratietheorien sind demnach das Ergebnis von Konflikten um politische, soziale und ökonomische Interessen. Sie entstĂŒnden in der Absicht, politische Ordnungen zu verĂ€ndern oder auch vor VerĂ€nderung zu bewahren. Die praktische Realisierung einer theoretischen Ordnungsvorstellung und politischen Programmatik setze aber eine gesellschaftliche Mobilisierung voraus. Ein neues Ordnungskonzept zu verwirklichen, erfordere das BĂŒndnis aus Elite und Masse, das andererseits aber auch gebraucht werde, wenn bestehende VerhĂ€ltnisse gegen sie revolutionierende Vorstellungen geschĂŒtzt werden sollen.cite-ref-34[34]
Auf die Grundannahme aller Demokratietheorien aufbauend, dass das Gemeinwesen eine Schutzfunktion nach innen wie nach auĂen aufweisen mĂŒsse, stellt Salzborn ein Modell von Entwicklungsstufen der Demokratisierung vor, die im historischen RĂŒckblick die idealtypische Skizze eines schrittweisen Demokratisierungsprozesses ergeben:
1. der Schutzstaat mit der politischen Kernforderung nach Sicherheit und den Zielen des Schutzes vor Ă€uĂeren Angriffen, der Friedenssicherung im Innern sowie einer Garantie der Eigentumsordnung;
2. der auf Freiheit ausgerichtete Rechtsstaat mit Rechts- und Verfassungsordnung, Menschen- und BĂŒrgerrechten sowie entsprechendem Justizsystem;
3. der SolidaritĂ€t ĂŒbende Sozialstaat mit sozialer Partizipation und GewĂ€hrleistung wirtschaftlicher und sozialer Gerechtigkeit;
4. der auf Gleichheit gerichtete demokratische Staat mit VolkssouverĂ€nitĂ€t, allgemeinem und freiem Wahlrecht, offenem Zugang zu den politischen Ămtern sowie unbeschrĂ€nkten Partizipationsmöglichkeiten;
5. der fĂŒr Bildung sorgende Kulturstaat mit Forschungsförderung sowie mit dem Streben nach Gerechtigkeit, Frieden und Ăkologie auch auf internationaler Ebene.cite-ref-35[35]
Antike
Als klassische Demokratie, an der moderne Demokratien gern gemessen werden, gilt die athenische im antiken Griechenland. Im Zeitalter der Atlantischen Revolutionen rĂŒckte hingegen von Polybios beeinflusst die Römische Republik stĂ€rker in den Fokus der historisch-politischen Reflexionen und Vergleiche. So liehen sich etwa die WortfĂŒhrer der amerikanischen Verfassungsdiskussion die Namen römischer Gesetzgeber oder bekannter Konsuln als Pseudonyme und stellten sich damit in die Tradition von Klassikern, die Grundlagen fĂŒr ein politisches Gemeinwesen geschaffen hatten.cite-ref-36[36]
GrundzĂŒge der Attischen Demokratie
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Hauptartikel
:
Attische Demokratie
FrĂŒhestes Beispiel einer demokratischen Ordnung ist die Attische Demokratie, die sich nach der Peisistratiden-Tyrannis und den Perserkriegen im 5. Jahrhundert v. Chr. entwickelte. Sozio-ökonomische und sicherheitspolitische ErwĂ€gungen fĂŒhrten in Athen dazu, dass es zu einer verstĂ€rkten Einbindung der bislang unberĂŒcksichtigten gesellschaftlichen Schicht der Theten in die politischen Strukturen kam. Es bildeten sich Rahmenbedingungen heraus, die grundlegende Verfassungsreformen und eine Beteiligung der Vielen an der Herrschaft förderten. Im Rahmen dieser Reformen, so Stefan Marschall, sei die demokratische als eine mögliche Herrschaftsform entdeckt worden.cite-ref-38[38]
Von den 250.000 bis 300.000 Einwohnern von Athen waren 170.000 bis 200.000 Erwachsene. Dagegen besaĂen nur 30.000 bis 50.000 VollbĂŒrger volle politische Rechte â unter DreiĂigjĂ€hrige, Frauen, 25.000 Zugezogene und 80.000 Sklaven blieben ausgeschlossen.cite-ref-sintomer53-39-0[39]
Als wesentliche Strukturmerkmale der athenischen Demokratie gelten:
1. die ZustĂ€ndigkeit der Ekklesia fĂŒr alle Entscheidungen ĂŒber zentrale Angelegenheiten der inneren und Ă€uĂeren Politik sowie ĂŒber die Gesetzgebung,
2. der aus der kleisthenischen Phylenreform hervorgegangene Rat der FĂŒnfhundert, der die Volksversammlungen vorbereitete und an den alltĂ€glichen RegierungsgeschĂ€ften beteiligt war,
3. die etwa 600 nach dem AnnuitĂ€tsprinzip zum gröĂten Teil durch Los bestimmten Beamten bzw. FunktionstrĂ€ger fĂŒr die verschiedenen Bereiche des öffentlichen Lebens, ergĂ€nzt um nur etwa 100 zu wĂ€hlende Beamte, die in speziellen Verantwortungsfeldern wirkten, so als Strategen in der FĂŒhrung des MilitĂ€rs oder als Finanzverwalter;
4. die Volksgerichte, die sich aus insgesamt 6000 ebenfalls per Los bestimmten Laienrichtern rekrutierten.
FĂŒr Christian Meier ist Isonomie als Gleichheit aller BĂŒrger vor dem Gesetz das der Demokratie in der Athener Polis vorausgehende Reformleitbild, in dem ein Anspruch wie im âRechtsstaatâ oder âVerfassungsstaatâ des 19. Jahrhunderts stecke. Dieser Anspruch auf Gleichheit habe in entsprechenden Institutionen verwirklicht werden sollen. âDie erste Rechtfertigung der Demokratie beruft sich auf die Institutionen des Loses, der Rechenschaftspflicht und der Entscheidung aller Fragen durch die Gesamtheit. Damit soll alle WillkĂŒr ausgeschlossen und das âherkömmliche Gute und Rechteâ gesichert sein.âcite-ref-40[40]
Auch in anderen Poleis des attischen Seebunds wurden demokratische Ordnungen eingerichtet, teils befördert durch die athenische Expansionspolitik, teils auf Betreiben demokratischer KrĂ€fte vor Ort. Ăfters wurden also Demokratien zu dem Zweck oktroyiert, den Interessen Athens zu dienen.cite-ref-41[41]
Aristotelesâ zwei Staatsformenlehren
Aristoteles ordnete die Demokratie in seinem staatstheoretischen Werk ΠολÎčÏÎčÎșÎŹ (âPolitikâ) in eine nach Anzahl der Herrschaftsbeteiligten und QualitĂ€t der HerrschaftsausĂŒbung differenzierende Ordnung von sechs Verfassungstypen ein:cite-ref-42[42]
| Zahl der Herrschenden | Zum gemeinsamen Nutzen | Zum Eigennutz der Herrschenden |
|---|---|---|
| Einer | Monarchie | Tyrannis |
| Wenige | Aristokratie | Oligarchie |
| Viele | Politie | Demokratie |
Den drei am gemeinwohlorientierten Verfassungstypen Monarchie, Aristokratie und Politie stellte Aristoteles in seiner ersten Staatsformenlehre jeweils Verfassungstypen gegenĂŒber, die die zur Herrschaft Gelangten eigennĂŒtzig missbrauchten, wobei er die Demokratie gegenĂŒber der Tyrannis â als schlechtestem Herrschaftstyp â wie auch gegenĂŒber der Oligarchie noch als ertrĂ€glichste der mĂ€ngelbehafteten Varianten ansah.cite-ref-44[44] Der Eigennutz der Reichen ruiniere eine Verfassung schneller als der der Armen.cite-ref-45[45]
Dieses oft zitierte Schema behandelte Aristoteles jedoch nicht als Dogma. In nachfolgenden Kapiteln seiner Politik entfaltete er eine FĂŒlle empirischen Materials, die in eine zweite Staatsformenlehre mĂŒndete: Darin brach er die sechsteilige Ordnung der Verfassungsformen durch zahlreiche Unter- und Zwischenformen auf und stellte vier Unterarten der Oligarchie und fĂŒnf Unterarten der Demokratie mit VorzĂŒgen und Nachteilen ausfĂŒhrlich dar (Zweite Staatsformenlehre). Als schĂ€dlichsten unter den Demokratietypen nannte er denjenigen, bei dem das Volk unter dem Einfluss von Demagogen gesetzeswidrige BeschlĂŒsse fasst.cite-ref-46[46] Lege man die beste der vier Arten der Oligarchie, der vier Arten der Demokratie und das beste MischungsverhĂ€ltnis zugrunde, so Hellmut Flashar, so ergebe sich eine Verfassungsform, die der Attischen Demokratie des 5. Und 4. Jahrhunderts v. Chr. relativ nahe komme.cite-ref-47[47]
Als beste Verfassung ermittelt Aristoteles in seiner Erörterung eine Mischform aus Demokratie und Oligarchie, die Politie, die meist ĂŒbersehen werde, weil sie nicht oft vorkomme.cite-ref-48[48] Um Politie handle es sich, wenn die Menge zum allgemeinen Nutzen regiert.cite-ref-49[49] Ihrem politischen Urteil traut Aristoteles eher als dem weniger Aristokraten; denn unter den vielen habe jeder einen Anteil an Tugend und Einsicht (Summierungsthese).cite-ref-50[50] Bei der Ămterbesetzung befĂŒrwortet Aristoteles den demokratischen Ansatz des allgemeinen Zugangs in Kombination mit dem oligarchischen der Wahl.cite-ref-51[51] Ein passendes MischungsverhĂ€ltnis bei der Politie verspricht nach Aristoteles auch VerfassungsstabilitĂ€t. Es komme nicht darauf an, dass benachbarte Poleis mehrheitlich an ihrer Erhaltung interessiert seien, sondern darauf, dass die BĂŒrgerschaft selbst in ihrer Gesamtheit keine andere Verfassung anstrebe.cite-ref-52[52] In allen Staaten gebe es sehr Reiche, sehr Arme und die Mittleren. Doch solle ein Staat in möglichst hohem MaĂe aus Gleichen und EbenbĂŒrtigen bestehen, wie es bei den Mittleren der Fall sei. Denn von ihnen â anders als unter den Armen â trachte niemand nach fremdem Besitz; die Mittleren seien aber auch vor Nachstellungen anderer sicher und lebten folglich gefahrlos.cite-ref-53[53]cite-ref-54[54]
Auch nach mehr als 2300 Jahren eignet sich die aristotelische Staatsformenlehre fĂŒr Manfred G. Schmidt als ein âkomplexes, MaĂstĂ€be setzendes Instrumentâ fĂŒr Beobachtung, Vergleich und Bewertung von demokratischen und autokratischen Staatsverfassungen.cite-ref-55[55] VorlĂ€nder findet in dem von Aristoteles beschriebenen Modell einer Mischverfassung zwei fĂŒr die moderne Demokratie wegweisende Gedanken: die im Sinne des demokratischen Gedankens grundlegende Rolle der AktivbĂŒrgerschaft und das Prinzip der verfassungsmĂ€Ăigen HerrschaftsbeschrĂ€nkung, âdas sich dann vor allem im 18. Und 19. Jahrhundert als Prinzip der liberalen Demokratie herausbilden sollte.âcite-ref-56[56]
Polybiosâ Kreislauf der Verfassungen
200 Jahre spĂ€ter ordnete Polybios bei der Fortschreibung der Staatsformenlehre von Aristoteles die Demokratie in seinem Kreislauf der Verfassungen â anders als dieser â den am Gemeinwohl orientierten Verfassungstypen zu und bezeichnete die Verfallsform der Demokratie als Ochlokratie (âPöbelherrschaftâ).cite-ref-57[57] Andererseits favorisierte Polybios â Ă€hnlich wie Aristoteles mit der Politie â ein auf StabilitĂ€t zielendes Mischverfassungssystem, das einen Interessenausgleich zwischen Adel und Volk beinhaltete, wie er fĂŒr ihn zwischen Patriziern und Plebejern in der Römischen Republik vorlag, auf deren StabilitĂ€t und ElastizitĂ€t sich der Aufstieg Roms zur antiken Weltherrschaft seiner Ansicht nach grĂŒndete. Polybiosâ Mischverfassungsmodell war laut VorlĂ€nder im Hinblick auf MachtmĂ€Ăigung, Interessenausgleich und die Kontrolle von politischen Institutionen durch VerschrĂ€nkung anwendbar auch auf politische Ordnungen im Zeichen der Gleichheit staatsbĂŒrgerlicher Rechte. âDie Analyse der antiken Republik schien damit auch einen konstruktiven Beitrag fĂŒr die Ausgestaltung moderner Demokratie bereitzuhalten.âcite-ref-58[58]
Römische Republik
Auch die Römische Republik verwirklichte bis zur schrittweisen, kontinuierlichen Ablösung durch den Prinzipat eine Gesellschaft mit rudimentÀren demokratischen Elementen, basierend auf der Idee der Gleichberechtigung der Freien bei der Wahl der republikanischen Magistrate. Doch blieben das oligarchische Prinzip und der Vorrang der NobilitÀt durchgÀngig bestimmend. Bei der Wahl der Konsuln etwa galt, dass aufgrund des Systems der Comitia centuriata die Stimme eines Reichen mehr zÀhlte als die eines Armen. Durch das Klientelwesen waren weite Bevölkerungskreise an ihre jeweiligen Patrone gebunden, sodass die in der Staatsspitze agierende NobilitÀt die politischen VerhÀltnisse und Entscheidungen weitgehend unter Kontrolle behielt.cite-ref-59[59]
Bei Marcus Tullius Cicero wird der Begriff der Demokratie als civitas popularis âromanisiertâ (De re publica, I), womit die spĂ€trepublikanische Bezeichnung der Parteiung der âPopularenâ zum Namensgeber der entsprechenden Verfassungsvorstellung wird. Ciceros Formel fĂŒr das VerhĂ€ltnis von Volk und Republik, Scipio Africanus minor von Cicero in den Mund gelegt, lautete «res publica res populi» und betonte damit die ZustĂ€ndigkeit des Volkes fĂŒr die öffentlichen Belange. Ciceros Definition des Volkes setzte, so VorlĂ€nder, jedoch eine Gemeinschaft voraus, die auf Rechtskonsens und Gemeinwohl beruhte (âłiuris consensu et utilitatis communioneâł). Zwar konnte die Republik folglich nur dann legitim sein, wenn die BĂŒrger Anteil an der Formulierung der Gesetze und des Gemeinwohls hatten; eine direkte und unmittelbare Partizipation aller freien BĂŒrger wie in der athenischen Polisdemokratie war darunter jedoch nicht zu verstehen.cite-ref-60[60] âSpĂ€ter solltenâ, schreibt VorlĂ€nder, âNiccolĂČ Machiavelli in seinen Discorsi, die sich am römischen Geschichtsschreiber Titus Livius orientierten, der EnglĂ€nder James Harrington in The Commonwealth of Oceana und Montesquieu das Erbe des republikanischen Denkens wieder aufgreifen.âcite-ref-61[61]
Mittelalterliche AnsÀtze
Mit dem Untergang des Römischen Reiches im Westen spielten antike staatstheoretische Modelle in der Praxis vorerst keine Rolle mehr. Oft setzen Betrachtungen zur Demokratieentwicklung in der einschlĂ€gigen Literatur erst mit der frĂŒhneuzeitlichen Staatstheorie der AufklĂ€rung wieder ein.cite-ref-62[62] ĂbergangsansĂ€tze entwickelten sich aber teils auch bereits im Mittelalter.
Norditalienische Stadtrepubliken und Reflexionen Machiavellis
Einen republikanischen Namen und Ordnungsrahmen â mit jedoch allenfalls randstĂ€ndiger politischer Mitwirkung des Volkes â beanspruchten schon zu mittelalterlichen Zeiten norditalienische Stadtrepubliken wie Venedig Genua, Florenz und Siena. Die in Lombardei und Toskana gebildeten unabhĂ€ngigen Stadtstaaten waren nach auĂen hin unabhĂ€ngig und beruhten im Inneren auf Selbstregierung. Doch fehlte es ihnen an StabilitĂ€t: Von auĂen her war ihre UnabhĂ€ngigkeit bedroht; im Innern krankten sie an hĂ€ufigen MachtkĂ€mpfen rivalisierender Gruppierungen.cite-ref-63[63]
Zu dieser Zeit war Republik vor allem ein Abgrenzungsbegriff gegen FĂŒrstenherrschaft und Monarchie und bezeichnete âdas spĂ€tmittelalterliche Ideal konsensgeschĂŒtzter bĂŒrgerlicher Herrschaft.â Aus dem Denken der italienischen Stadtrepubliken entwickelte sich, so VorlĂ€nder, âeine von Thomas von Aquin bis Machiavelli reichende Theorie bĂŒrgerschaftlichen Republikanismus, die auch fĂŒr die Entfaltung der modernen Demokratie nicht ohne Wirkung blieb.â In den Discorsi habe Machiavelli die Bestandsvoraussetzungen einer freien und stabilen Republik reflektiert, in der öffentliches Wohl, BĂŒrgertugend und Vaterlandsliebe zusammenkĂ€men. In der ferneren historischen Perspektive habe sich das republikanische mit dem demokratischen Denken etwa in England, Nordamerika, Frankreich und Deutschland verbunden; âzum Teil radikalisierte es die Demokratie, zum Teil moderierte es die Demokratie.âcite-ref-64[64]
Englisches Parlament
Das moderne Prinzip der parlamentarischen ReprĂ€sentation des Volkes im Sinne demokratischer Mitwirkung kam in England bereits im Hochmittelalter ansatzweise zur Wirkung. Seit der Magna Carta im Jahre 1215 bestand im englischen Königreich die Idee, es dĂŒrfe keine Steuer ohne vorherige Beratung geben. Daraus entwickelte sich De Montfortâs Parliament. Dieses sollte ab 1265 mindestens einmal jĂ€hrlich zusammentreten; es bestand vor allem aus adeligen GroĂgrundbesitzern.cite-ref-vorl-nder2020p65-65-0[65] Ab dem 14. Jahrhundert setzte sich â wenn auch noch nicht demokratisch â das Parlament als Vertretung der Gesamtgenossenschaft aller Kreise und Gemeinden durch, zu dem auch die âGemeinenâ (englisch âcommonsâ) Zutritt hatten; daraus entstand spĂ€ter das House of Commons (Unterhaus).cite-ref-vorl-nder2020p65-65-1[65] Mit der Entwicklung der absoluten Monarchie im 16. Jahrhundert verringerten sich die Einflussmöglichkeiten.
Erst mit dem englischen BĂŒrgerkrieg Mitte des 17. Jahrhunderts entstand unter Oliver Cromwell fĂŒr wenige Jahre eine Republik, mit dem Unterhaus als Volksvertretung mit umfangreichen Rechten.cite-ref-saage80-66-0[66] Die Levellers (âGleichmacherâ), die nicht nur in der Revolutionsarmee eine bedeutende politische Kraft darstellten, verstanden sich dabei keineswegs als AnhĂ€nger der Demokratie, sie setzen auf ReprĂ€sentanten.cite-ref-saage80-66-1[66] Sie verstanden die Menschen als ursprĂŒnglich Gleiche und Freie auf Basis ihrer Geburtsrechte, die Ăber- und UnterordnungsverhĂ€ltnisse seien spĂ€ter aus eigensĂŒchtigen Interessen entstanden.cite-ref-saage80-66-2[66] Das bedeutendste Dokument des Parlamentarismus ist die Bill of Rights von 1689, in der das nach England eingeladene neue Königspaar Wilhelm III. und Maria II. dem Parlament ImmunitĂ€t, VerfĂŒgung ĂŒber die Finanzen und Recht auf Zusammentritt ohne Aufforderung des Königs zugestand, und damit die Grundrechte eines modernen Parlaments schuf.
FrĂŒhe Neuzeit
Hatte Machiavelli die Politik von der Moral losgelöst und die Orientierung an Interessen und Machtkonflikten ins Blickfeld gerĂŒckt, so kam es im Zeitalter der AufklĂ€rung zur Kritik an Metaphysik, Religion und Aberglaube als Rechtfertigungsmitteln der mittelalterlichen Herrschaft. Mit der Verbreitung des Buchdrucks entstand in der FrĂŒhen Neuzeit ein öffentlicher politischer Raum, der zum Motor fĂŒr die Etablierung demokratischer Herrschaftsformen in der Moderne wurde.cite-ref-67[67]
Gemeinsam war fĂŒhrenden politischen Theoretikern der AufklĂ€rungsepoche die Idee eines vernunftbasierten Menschenbilds, zu dem hinsichtlich der Herrschaftsordnung eine vertragstheoretische Grundlage gehörte: ein Gesellschaftsvertrag, der einem naturwissenschaftlich-mathematischen Weltbild den Vorrang vor einer religiösen Weltsicht einrĂ€umte. Salzborn erkennt darin einen der nachhaltigsten BrĂŒche in den Denktraditionen der Ideengeschichte: âMachtausĂŒbung und politisches Handeln sollten von nun an der Zustimmung der Betroffenen bedĂŒrfen, die Natur- und Gottgegebenheit von Herrschaft wurde in Frage gestellt, stattdessen sollte Herrschaft auf einer Ăbereinkunft der Menschen basieren: dem Vertrag.â Auch wenn das Vertragsziel unterschiedlich angesetzt war und von der Sicherung des nackten Ăberlebens bei Thomas Hobbes ĂŒber die Garantie der Eigentumsordnung bei John Locke bis zur verbindlichen Gemeinsamkeit in der Verfolgung politischer Ziele bei Jean-Jacques Rousseau reichte, gab es als durchgĂ€ngige Grundlage die Vorstellung, dass der Vertragsschluss fĂŒr die Beteiligten den Ausgang aus einem sogenannten Naturzustand in ein geordnetes gesellschaftspolitisches VerhĂ€ltnis bedeutete. Solch vertragstheoretisches Denken stellte einen âlegitimatorischen SchlĂŒsselâ fĂŒr die frĂŒhneuzeitlichen Revolutionen und die damit verbundenen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen UmbrĂŒche dar.cite-ref-68[68]
Lockes liberale Staatstheorie
WĂ€hrend Thomas Hobbes im Leviathan einen Herrschaftsabsolutismus vorsah und sich mit Demokratie ausschlieĂlich ablehnend auseinandersetzte, legte John Locke (1632â1704) mit Two Treatises of Government (Zwei Abhandlungen ĂŒber die Regierung, 1689) das Fundament fĂŒr eine weltlich legitimierte, antiabsolutistische Staatsverfassung vor. Grundlage dafĂŒr ist bei Locke die grundsĂ€tzliche Freiheit und Gleichheit der StaatsbĂŒrger in Verbindung mit vielen GrundsĂ€tzen des spĂ€teren Liberalismus wie dem Recht des Einzelnen auf Leben, Freiheit und Vermögen. Weitere Merkmale sind religiöse Toleranz, die Herrschaft des Rechts, die Gewaltenteilung zwischen Legislative und Exekutive sowie das Widerstandsrecht gegen jede unrechtmĂ€Ăige Regierung. Die Regierung unterliegt im Rahmen der Zustimmung des Staatsvolkes einem vorgegebenen Staatszweck mit begrenzten Machtmitteln der öffentlichen Gewalt (âgovernment by consentâ). Die öffentlich bekanntzumachenden Gesetze gelten fĂŒr Reiche und Arme gleichermaĂen. Sie dĂŒrfen ausschlieĂlich auf âFrieden, Sicherheit und das öffentliche Wohl des Volkesâ abzielen.cite-ref-69[69]
Montesquieus Gewaltenbalance
Ebenfalls nachhaltigen Einfluss auf das moderne Demokratiedenken nahm Charles Montesquieu (1689â1755) mit dem in seinem Werk De lâEsprit des Loix (Vom Geist der Gesetze, 1748) entwickelten System von Machtkontrolle und Gewaltenbalancierung. Montesquieu baute auf aristotelischen Lehren auf; er schĂ€tzte die nach seinem VerstĂ€ndnis freiheitliche, zeitgenössische konstitutionelle Monarchie in England und wandte sich gegen den in Frankreich etablierten Absolutismus. Ihm kam es auf die Einhegung der menschlichen Neigung zum Machtmissbrauch an. Die Staatsgewalten sollten einander wechselseitig in Schach halten (âque le pouvoir arrĂȘte le pouvoirâ).cite-ref-70[70] Laut Manfred G. Schmidt galt es fĂŒr Montesquieu, vier Komponenten in der Gewaltenbalance zu halten: 1. die Staatsgewalten Legislative, Exekutive und Judikative; 2. die gesellschaftlichen KrĂ€fte Krone, Adel und BesitzbĂŒrgertum; 3. die Staatsorgane (Volkskammer, Adelskammer, das durch Auslosung zusammengesetzte Volksgericht, ein Adelsgericht sowie den Erbmonarchen mit seinem Ministerrat); 4. grundlegende Befugnisse wie die Bestimmung von ReprĂ€sentanten und die Vollmacht, Gesetze zu erlassen. Den Machtausgleich zwischen den Gewalten sucht Montesquieu durch ein System ineinandergreifender Vetorechte (âdroits dâempĂȘcherâ) zu gewĂ€hrleisten.cite-ref-71[71]
In seinen staatstheoretischen Betrachtungen reflektiert Montesquieu auch Funktionsvoraussetzungen von Demokratie, der er selbst aber nicht anhĂ€ngt. Dem Zeitgeist entsprechend zĂ€hlen fĂŒr Montesquieu zum mitbestimmungsberechtigten Volk nur MĂ€nner und unter diesen nur vermögende BĂŒrger. Nach seiner Auffassung gedeiht Demokratie am besten in Kleinstaaten und unter VerhĂ€ltnissen mit einem hohen MaĂ an Gleichheit und mit nur maĂvollen Vermögensunterschieden. BegĂŒnstigende Bedingung dafĂŒr sei die allgemeine âLiebe zur GenĂŒgsamkeitâ. Stabilisiert werde Demokratie durch eine gleichmĂ€Ăigere Verteilung des Bodenbesitzes und den Abbau von Macht- und Herrschaftsunterschieden. GefĂ€hrdet werde sie durch eine mangelnde Vaterlandsliebe und durch das Aufkommen von Korruption.cite-ref-72[72]
Rousseaus VolkssouverÀnitÀt
Ganz anders als fĂŒr Locke beginnt fĂŒr Jean-Jacques Rousseau speziell mit der Festsetzung des Eigentumsrechts die Verfallsgeschichte der Menschheit, weil den als Einzelnen in âursprĂŒnglicher Unschuldâ lebenden Menschen dadurch der ihnen wohltuende Naturzustand abhanden komme. FĂŒr den daraus hervorgehenden Zustand der Vergesellschaftung sieht Rousseau gleichfalls einen allgemeinverbindlichen Vertrag vor (Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes (Du contrat social ou Principes du droit politique)) â wiederum mit ganz anderen Akzenten als bei Locke. Indem jeder seine Rechte auf die Gemeinschaft aller ĂŒbertrĂ€gt, entsteht eine Republik, die das Gemeinwohl verkörpert und in der der âAllgemeine Willeâ (volontĂ© gĂ©nĂ©rale) die politische Ausrichtung bestimmt. Im Ergebnis herrscht eine unmittelbare plebiszitĂ€re VolkssouverĂ€nitĂ€t, der sich niemand entziehen und verweigern darf. Wer sich der volontĂ© gĂ©nĂ©rale nicht unterordnet, kann dazu gezwungen werden, was fĂŒr Rousseau gleichbedeutend damit ist, dass man âihn zwingt, frei zu seinâ.cite-ref-73[73] Die BĂŒrger waren gemÀà dem Republik-Konzept Rousseaus Mitglieder des Gemeinwesens einerseits als gleichverpflichtete Herrschaftsunterworfene, wie andererseits als gleichberechtigte Herrschaftsteilhaber (IdentitĂ€re Demokratietheorie). FĂŒr Manfred G. Schmidt lauert hinter Rousseaus freiheitlichen VerheiĂungen âerdrĂŒckende Herrschaftâ wegen des Zwangs zur Unterwerfung unter den unanfechtbaren Gemeinwillen. Es fehle in seiner Lehre âjeglicher Schutz gegen die potenzielle Despotie der Mehrheit.âcite-ref-74[74]
Rousseaus Begriff von VolkssouverĂ€nitĂ€t ist dem Gewaltenbalance-Modell Montesquieus deutlich entgegengesetzt, denn bei Rousseau ist die VolkssouverĂ€nitĂ€t unverĂ€uĂerlich, nicht delegierbar und unteilbar, etwa auch im Sinne einer Gewaltenteilung. Sie ist Ausdruck der unantastbaren Oberhoheit der BĂŒrger, einschlieĂlich der Verfassung und der staatlichen Institutionen. Die ReprĂ€sentation des Volkes durch Abgeordnete lehnt Rousseau strikt ab. Jedes vom Volk nicht selbst bestĂ€tigte Gesetz ist fĂŒr ihn ânull und nichtigâ. Sobald ein Volk Vertreter ernennt, so Rousseau, âist es nicht mehr frei, existiert es nicht mehr.â Nur in sehr kleinen Gemeinwesen mit möglichst wenig allgemein abtrĂ€glichem Luxus hĂ€lt er die Wahrung der Rechte von Volk und BĂŒrgern fĂŒr möglich.cite-ref-75[75]cite-ref-76[76] Auch wenn Rousseau das Wort Demokratie nicht positiv besetzte, bezog er sich in seinem Ideal kleiner homogener Agrarstaaten, in denen der Gemeinwille direktdemokratisch realisiert werde, auf demokratische Elemente, ohne sie so zu nennen.cite-ref-77[77] Radikalemanzipatorische und radikaldemokratische Elemente mischte er mit autoritĂ€ren Komponenten. GrundsĂ€tzlich war VolkssouverĂ€nitĂ€t bei ihm an den Mehrheitswillen und an Gemeinwohlnormen gebunden.cite-ref-78[78]
Vereinigte Staaten â MenschenrechtserklĂ€rung, Federalist Papers und Verfassungsprimat
Die erste neuzeitliche Demokratie entstand Ende des 18. Jahrhunderts in den 13 Kolonien Nordamerikas. Ihre Vordenker stĂŒtzten sich auf die Idee der VolkssouverĂ€nitĂ€t, wie sie in den politischen Schriften der europĂ€ischen AufklĂ€rung ausgebildet worden war, und gingen von den Rechten des Individuums aus. Dies kam in der Virginia Declaration of Rights zum Ausdruck, der weltweit ersten kodifizierten ErklĂ€rung der Menschenrechte. Einfluss auf die amerikanische Demokratie hatte auch die politische Praxis des Mutterlands GroĂbritannien mit rudimentĂ€rem Parlamentarismus und einer Gewaltenteilung.cite-ref-79[79] Ob sich die GrĂŒndervĂ€ter der Vereinigten Staaten auch von der RĂ€teverfassung beeinflussen lieĂen, mit der sich etwa Mitte des 15. Jahrhunderts fĂŒnf Indianervölker zum Bund der Irokesen zusammengeschlossen hatten, ist nicht gesichert.cite-ref-80[80]cite-ref-81[81]
Nach der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung und dem Sieg im UnabhĂ€ngigkeitskrieg gegen GroĂbritannien erhob sich die Frage, ob man weiterhin eine Konföderation unabhĂ€ngiger Staaten bleiben oder ein Bundesstaat mit gemeinsamer Verfassung werden solle. In der breiten öffentlichen Diskussion darĂŒber warben die Föderalisten Alexander Hamilton, James Madison und John Jay, Angehörige der Oberschicht, in ihren einflussreichen Federalist Papers (1787â1788) fĂŒr die Annahme des Entwurfs der Bundesverfassung in New York. Sie sprachen sich gegen eine direkte Demokratie aus, in der eine Tyrannei der Mehrheit drohe, und fĂŒr eine âRegierungsform mit ReprĂ€sentativsystemâ. Sie warben fĂŒr eine republikanische Mischverfassung mit föderativen und gesamtstaatlichen Komponenten sowie fĂŒr eine mehrschichtige Gewaltenteilung und GewaltenverschrĂ€nkung (Checks and Balances). Die mĂ€chtige Legislative wurde auf zwei Kammern verteilt: Den Senat mit der Vertretung der Einzelstaaten, und das ReprĂ€sentantenhaus mit den vom Volk gewĂ€hlten Abgeordneten. So wurde in den USA das lange diskutierte Problem gelöst, wie Demokratie, die ja ursprĂŒnglich in der Versammlung aller BĂŒrger praktiziert worden war, in einem FlĂ€chenstaat realisiert werden kann, dessen Bewohner nie an einen Ort zusammenkommen können.cite-ref-82[82]
Eine weitere von den Verfassern der Federalist Papers eingefĂŒhrte demokratietheoretische Neuerung war das Primat der Verfassung: Die SouverĂ€nitĂ€tsfrage wurde mit der Verfassungsfrage beantwortet. Nicht so wichtig war ihnen eine breite politische Beteiligung der StimmbĂŒrger in öffentlichen Angelegenheiten. Diese blieben auf weiĂe steuerzahlende MĂ€nner beschrĂ€nkt, womit nur etwa 13 Prozent der Bevölkerung wahlberechtigt waren. 28 Prozent der Erwerbsbevölkerung waren weiterhin Sklaven.cite-ref-83[83]
1800/01 gelang mit der PrÀsidentschaftswahl erstmals ein Regierungswechsel in einem demokratisch-reprÀsentativen System, womit der Beginn der modernen Parteiendemokratie markiert ist.cite-ref-84[84]
Demokratieentwicklung in Europa
Die in ihrer Entstehung mit dem amerikanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg in Zusammenhang stehende Französische Revolution wies in der konstitutionell-monarchischen Phase viele Parallelen mit den Vorstellungen Montesquieus auf. Mit dem Sturz der Monarchie 1792 und der Errichtung der Ersten Französischen Republik durch den Nationalkonvent kam es zu einer begrifflichen Verschmelzung von Demokratie und Republik. Der im Revolutionskrieg unter dem Druck der breiten Pariser Volksmassen stehende Konvent wurde von Robespierre auf einige der Lehren Rousseaus eingeschworen. Eine homogene, der Gleichheit verpflichtete BĂŒrgergemeinschaft sollte nun die soziale Grundlage einer groĂflĂ€chigen zentralstaatlichen Demokratie bilden. Ein Katalog demokratischer Tugenden wurde als neue Zivilreligion propagiert, wobei die Revolutionsregierung unter Robespierre zunehmend terroristische Mittel gegen alle tatsĂ€chlichen und vermeintlichen Widersacher einsetzte.cite-ref-85[85]
Diese Schreckensherrschaft fĂŒhrte in vielen mit der Anfangsphase der Französischen Revolution sympathisierenden bĂŒrgerlichen Kreisen in Europa zur Ablehnung einer radikaldemokratischen Republik und etwa auch in Deutschland zur BefĂŒrwortung eines konstitutionell-reprĂ€sentativen Staatsmodells auf der Basis von Reformen. Die nach den napoleonischen Kriegen einsetzende Epoche der Restauration erstickte jedoch vorĂŒbergehend alle PlĂ€ne und AktivitĂ€ten der liberalen und demokratischen Bewegung.cite-ref-86[86]
Doch waren vereinzelt auf regionaler und nationalstaatlicher Ebene weitere bemerkenswerte DemokratieansĂ€tze noch wĂ€hrend des 18. Jahrhunderts zu verzeichnen gewesen. 1755 schrieb Pasquale Paoli eine Verfassung fĂŒr Korsika. Es handelt sich dabei um eine Mischverfassung nach antikem Vorbild mit demokratischen Elementen, die sich auch aus regionalen Traditionen Korsikas speisten.cite-ref-87[87] In groĂen Teilen stimmte sie bereits mit dem modernen Verfassungsbegriff ĂŒberein, sie war bis 1769 in Kraft.cite-ref-88[88] Polen-Litauen gab sich mit der Verfassung vom 3. Mai 1791 eine moderne demokratische Staatsordnung, nach den USA die zweite weltweit. Dabei wurde mit der EinfĂŒhrung der âLandbotenkammerâ das politische Mitspracherecht, das bis dahin auf den Adel beschrĂ€nkt war, auf das wohlhabende BĂŒrgertum ausgedehnt, die groĂe Masse der Bauern blieben Leibeigene. Diese Verfassung war bis 1793 in Kraft.cite-ref-89[89]
19. Jahrhundert
Neue, ĂŒber Frankreich hinaus ausstrahlende Impulse fĂŒr demokratische Entwicklungen setzte die Julirevolution von 1830, die unter anderem den deutschen VormĂ€rz einlĂ€utete und in die europĂ€ischen Revolutionen 1848/1849 mĂŒndete. WĂ€hrend in Deutschland die Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche letztlich damit scheiterte, eine liberal-demokratische Verfassung mit monarchischer Spitze zu errichten und der rĂ€tedemokratische Ansatz der Pariser Kommune militĂ€risch niedergeschlagen wurde, kam es in der Schweiz zu einem nachhaltigen Ausbau direktdemokratischer Strukturen. In mehreren Staaten wurde wĂ€hrend des 19. Jahrhunderts das allgemeine Wahlrecht fĂŒr MĂ€nner eingefĂŒhrt: 1848 in Frankreich und in Teilen der Schweiz, 1869 in Teilen Deutschlands, 1869 in Teilen Spaniens; in den USA 1870, in Griechenland 1877, in Neuseeland 1889 und in Norwegen 1897.cite-ref-90[90]
Demokratische Bewegung in Deutschland
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Hauptartikel
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Demokratische Bewegung (Deutschland)
Bereits im VormĂ€rz und beflĂŒgelt vom Hambacher Fest 1832 waren Forderungen zur Garantie von BĂŒrger- und Freiheitsrechten, nach politischer Teilhabe, Parlamentarisierung und teils nach demokratisch-republikanischen Reformen laut geworden. Allerdings schwĂ€chten die unterschiedlichen Zielvorstellungen von liberalen Reformern einerseits und demokratisch-republikanisch orientierten RevolutionĂ€ren andererseits die Einheit und StĂ€rke der Paulskirchenversammlung. So scheiterte mit der Ablehnung von Kaiserkrone und Reichsverfassung durch den preuĂischen König Friedrich Wilhelm IV. 1849 auch in Deutschland der Versuch, mit revolutionĂ€ren Mitteln eine konstitutionelle Monarchie zu schaffen. Zwar wurde 1869 im Norddeutschen Bund und 1871 im Deutschen Kaiserreich das allgemeine MĂ€nnerwahlrecht eingefĂŒhrt; die parlamentarische Verantwortlichkeit der Regierung aber lieĂen die vor allem in PreuĂen weiter herrschenden konservativen Kreise nicht zu.cite-ref-91[91]
Karl Marx und die Pariser Kommune
FĂŒr Karl Marx, den Vordenker des Historischen Materialismus, war die bĂŒrgerlich-liberale Demokratie Ausdruck bourgeoiser Klassenherrschaft und zugleich ein Zwischenstadium auf dem Weg zur Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat, wie es bereits im Kommunistischen Manifest hieĂ. Somit erwies sich die Demokratietheorie von Karl Marx und Friedrich Engels laut Manfred G. Schmidt als Parteinahme fĂŒr eine besondere Art der Volksherrschaft: âfĂŒr die proletarische Demokratie in der Phase des Ăbergangs von der bĂŒrgerlich-kapitalistischen zur kommunistischen Gesellschaft.âcite-ref-92[92] Diese Regierungsform nannte Marx die âDiktatur der Arbeiterklasseâ bzw. die âKlassendiktatur des Proletariatsâ.cite-ref-93[93] Als Diktatur des Proletariats wurde sie unter Vermittlung Wladimir Iljitsch Lenins ein zentrales Element der marxistisch-leninistischen Revolutionstheorie.cite-ref-94[94]
Die nach der Niederlage Frankreichs und dem Waffenstillstand im Deutsch-Französischen Krieg 1871 errichtete Pariser Kommune war fĂŒr Marx revolutionspraktisch von besonderer Bedeutung. Er sah in ihr die Zerschlagung der bisherigen politischen Klassenherrschaft und deren Ersetzung durch eine âRegierung der Arbeiterklasseâ beispielhaft verwirklicht. Der Staat als Herrschaftsinstrument der Bourgeoisie und UnterdrĂŒckungsinstrument der Lohnarbeiter war demnach hier an ein Ende gelangt.cite-ref-95[95] Marx betrachtete die Pariser Kommune als ein demokratisches RĂ€tesystem, ein System von gewĂ€hlten StadtrĂ€ten, die sowohl gesetzgebend als auch exekutivisch-vollziehend tĂ€tig waren. Und dergestalt wurde die Pariser Kommune zur âKeimform zukĂŒnftiger sozialistischer Ordnungâ.cite-ref-96[96]
Vorreiter in direkter Demokratie: die Schweiz
In der Schweiz wurde die demokratische Entwicklung im 19. Jahrhundert von der liberalen Regeneration angestoĂen, an deren Ende die Schweizer Bundesverfassung 1848 und der Ăbergang vom Staatenbund zum Bundesstaat stand. Im Jahr 1874 wurde das fakultative Referendum auf Bundesebene eingefĂŒhrt, mit dem das Volk direkt ĂŒber Bundesgesetze, teils auch BundesbeschlĂŒsse und weitreichende völkerrechtliche VertrĂ€ge abstimmt (Art. 141 Bundesverfassung). 1891 kam die Volksinitiative hinzu, mit der das Volk VerfassungsĂ€nderungen auch gegen den Willen von Parlament und Regierung beschlieĂen kann (Art. 139 Bundesverfassung).cite-ref-98[98] Bis zur EinfĂŒhrung des Frauenwahlrechts 1971 waren diese direktdemokratischen Beteiligungsrechte allein der mĂ€nnlichen Bevölkerung vorbehalten.
20. und 21. Jahrhundert â zwischen Demokratisierung und Autokratisierung
In der jĂŒngeren Vergangenheit haben zur Demokratieentwicklung vor allem die Mitwirkungsrechte von Frauen beigetragen sowie mehrere Wellen der Ausbreitung demokratischer Systeme im weltweiten MaĂstab. Dabei wurde durch Aufwertung des Begriffs Demokratie die Etikettierung sehr unterschiedlicher politischer Systeme als demokratisch vor allem nach Ende des Zweiten Weltkriegs ĂŒblich, so zum Beispiel â wie im Fall der Deutschen Demokratischen Republik â bei den Volksrepubliken unter dem Einfluss der Sowjetunion. Andererseits gibt es viele Beispiele dafĂŒr, dass einmal eingerichtete demokratische Ordnungen nicht auf Dauer bestehen, sondern von autokratischer oder auch diktatorischer Herrschaft abgelöst werden können, wie sich bei faschistischen Regimen besonders drastisch gezeigt hat.
Die Einbeziehung der Frauen in demokratische Strukturen
Moderne Demokratien setzen fĂŒr Manfred G. Schmidt das allgemeine Wahlrecht fĂŒr MĂ€nner und Frauen sowie einen institutionalisierten Parteienwettbewerb um ein Regierungsmandat voraus. Gemessen an Theorie und Praxis der Demokratie im 20. und 21. Jahrhundert seien alle klassischen Theorien zuvor mĂ€ngelbehaftet, insbesondere, da die gesamte weibliche Bevölkerung vom Stimmrecht ausgeschlossen blieb. Abgesehen von Spanien (1869/1907) und Neuseeland (1889) wurde das allgemeine Wahlrecht fĂŒr Frauen erst ab Beginn des 20. Jahrhunderts eingefĂŒhrt, so zum Beispiel 1906 in Finnland, 1908 in Australien, 1913 in Norwegen, 1918 in Ăsterreich und Portugal, 1919 in Deutschland, 1920 in den USA und Kanada.cite-ref-99[99] In der Schweiz gibt es das Frauenwahlrecht erst seit 1971; auf kantonaler Ebene fĂŒhrte es 1990 als letzter Kanton Appenzell Innerrhoden aufgrund eines Bundesgerichtsurteils ein.cite-ref-amtliche-sammlung-der-entscheidungen-des-schweizerischen-bundesgerichts-100-0[100]
Die politische Mitwirkung von Frauen blieb aber auch nach Erlangung des aktiven und passiven Wahlrechts in mancher Hinsicht gegenĂŒber der von MĂ€nnern zurĂŒck. So betrug beispielsweise der Frauenanteil Im Deutschen Reichs- wie im Bundestag bis 1986 stets weniger als zehn Prozent.cite-ref-101[101]
Demokratisierung als Wellenbewegung
Demokratische Bewegungen und daraus hervorgehende Staatsordnungen treten historisch kaum isoliert auf, sondern in gröĂeren ZusammenhĂ€ngen. Samuel P. Huntington hat dafĂŒr den Begriff der Demokratisierungswellen eingefĂŒhrt, verzeichnet aber auch Gegenwellen.cite-ref-102[102]
Eine erste, lange Welle als Ausfluss der Amerikanischen und der Französischen Revolution erstreckte sich demzufolge von 1828 bis 1926 und umfasste Demokratien in Europa, in Australien, Neuseeland, in den baltischen Staaten, in Kanada, Argentinien, Kolumbien und Uruguay. Eine zweite Demokratisierungswelle â mit durch die Dekolonisation der 1950er und 1960er Jahre verstĂ€rkter Schubkraftcite-ref-103[103] â betrifft den Zeitraum 1943 bis 1962 mit diversen westeuropĂ€ischen Staaten und Israel, sĂŒd- und mittelamerikanischen Staaten, darunter Brasilien, Costa Rica, Venezuela und Peru, sowie mit asiatischen Staaten wie Japan, SĂŒdkorea, Indonesien, Indien und den Philippinen. Die dritte Demokratisierungswelle begann 1974 und endete in etwa Mitte der 1990er Jahre. Sie umfasste in der Nachkriegszeit autoritĂ€r beherrschte Staaten wie Spanien, Portugal und Griechenland sowie osteuropĂ€ische Staaten und Zerfallsstaaten der ehemaligen Sowjetunion nach dem Ende des Ost-West-Konflikts.cite-ref-104[104]
Autokratische Gegenbewegungen
Die erste autokratische Gegenwelle datiert Huntington von 1922 bis 1942, angefĂŒhrt vom italienischen Faschismus und vom deutschen Nationalsozialismus. Eine zweite Gegenwelle fiel in den Zeitraum zwischen 1958 und 1975 und betraf unter anderem eine Reihe sĂŒdamerikanischer Staaten sowie Ungarn nach dem Volksaufstand, die Tschechoslowakei nach dem Prager FrĂŒhling, Griechenland wĂ€hrend der MilitĂ€rdiktatur und diverse asiatische Staaten. Den Beginn einer dritten Gegenwelle setzt Salzborn nach den TerroranschlĂ€ge am 11. September 2001 an, die vor allem in westlichen Demokratien EinschrĂ€nkungen der Freiheitsrechte zugunsten der inneren und Ă€uĂeren Sicherheit angesichts der Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus nach sich gezogen hĂ€tten. Hinzu kĂ€men Entdemokratisierungsprozesse innerhalb etablierter Demokratien etwa in Form der âĂbernahme von politischen Entscheidungsprozessen durch demokratisch nicht-legitimierte Akteure, vor allem aus dem Bereich der (Medien-)Ăkonomieâ, und durch zunehmende Wahlerfolge rechtsextremer Parteien gerade in den historischen Zentren der Demokratie: den USA und Europa.cite-ref-105[105]
Demokratisierungsgewinnen, die mit dem Arabischen FrĂŒhling auch in Staaten des Nahen Osten und Nordafrikas zwischenzeitlich eingetreten waren, standen in den 2010er Jahren wieder antidemokratische Tendenzen entgegen, etwa in Ăgypten, Libyen und Syrien. Terroristische AktivitĂ€ten des Islamischen Staates und die fortwirkende FlĂŒchtlingskrise stellen eine Herausforderung auch fĂŒr die etablierten europĂ€ischen Demokratien dar, indem sie einen NĂ€hrboden fĂŒr rechtspopulistische Tendenzen und Parteien bilden.cite-ref-107[107]
Ab dem Jahr 2000 gab es mehr Menschen in Staaten mit sich verschlechternden demokratischen Freiheiten als in jenen mit sich verbessernden. 2020 lebten nur noch 4 Prozent der Weltbevölkerung in sich demokratisierenden Staaten, dagegen ein Drittel in jenen, die von der dritten Welle der Autokratisierung betroffen sind; davon sind auch G-20-Staaten wie die USA, Indien oder Brasilien betroffen.cite-ref-108[108]
Typologien demokratischer Herrschaftsorganisation
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Demokratietheorie
Empirische Demokratietheorien beschreiben Entwicklung und Funktionsweise von Demokratien. Normative Demokratietheorien beinhalten eine âSollâ-Vorstellung mit Abgleich zum realen âIstâ. Sowohl in der Demokratietheorie als auch in den geschichtlichen Erscheinungsformen zeigen sich spezielle AusprĂ€gungen von Demokratie, die typologisch unterschieden werden â grundlegend etwa im Hinblick auf direkte und reprĂ€sentative Demokratien. DarĂŒber hinaus werden weitere Differenzierungen vorgenommen, etwa in Form parlamentarischer oder prĂ€sidialer Akzentuierung. Herrschaftsorganisation korrespondiert zudem mit der Art, wie Konflikte behandelt werden: Geht es vorrangig um Konfliktvermeidung und gegebenenfalls um vorbeugende Konsensstiftung, so werden konsens- und konkordanzdemokratische AnsĂ€tze betont; wird hingegen offene Konfliktaustragung und -entscheidung bevorzugt, kommen mehrheitsbasierte und konkurrenzorientierte Regierungsformen zum Zuge. In der Praxis sind zumeist von den Idealtypen abweichende Mischformen anzutreffen.cite-ref-109[109]
Direkte Demokratie
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Direkte Demokratie
In der unmittelbaren bzw. direkten Demokratie nimmt das Volk unmittelbar und unvertretbar durch Abstimmungen ĂŒber Sachfragen am Staatsgeschehen teil. Das ausgeprĂ€gteste direktdemokratische System besteht in der Schweiz. Neben dem fakultativen Referendum auf Bundesebene und der Volksinitiative zur VerfassungsĂ€nderung gibt es das obligatorische Verfassungs- und Staatsvertragsreferendum, bei dem das Volk immer ĂŒber vom Parlament beschlossene Ănderungen der Bundesverfassung und ĂŒber den Beitritt zu Organisationen kollektiver Sicherheit oder zu supranationalen Gemeinschaften abstimmt (Art. 140 Bundesverfassung), und die Volksinitiative zur Totalrevision der Verfassung (Art. 138 Bundesverfassung) â bislang nur 1935 erfolglos angestrengt. Weitere direktdemokratische Beteiligungsformen bieten sich den Schweizer BĂŒrgern in den Kantonen und Gemeinden. Diese Angebote werden, so Manfred G. Schmidt, angenommen und als unhintergehbare Errungenschaft angesehen, bei einer Abstimmungsbeteiligung, die allerdings unterdessen zwischen lediglich 35 und 45 Prozent pendelt. Schmidt sieht diese weit ausgebauten Partizipationsrechte als vertrĂ€glich mit politischer StabilitĂ€t, sozialer KohĂ€sion und hoher wirtschaftlicher Leistungskraft.cite-ref-110[110]
In vielen Staaten wird das politische System durch einzelne Elemente direkter oder plebiszitÀrer Demokratie ergÀnzt.
Eine andere Form direkter Demokratie stellt das RĂ€tesystem dar. Die ĂŒber ein Stufensystem gewĂ€hlten RĂ€te sind ihren WĂ€hlern direkt verantwortlich und an deren Weisungen gebunden, sie sind also mit einem imperativen Mandat versehen. RĂ€te können jederzeit von ihrem Posten abberufen oder abgewĂ€hlt werden (Recall). Sie rotieren und sind in den meisten Modellen ehrenamtlich tĂ€tig. RĂ€tesysteme verlangen daher permanente AktivitĂ€t der Basis.cite-ref-111[111] Eine wirkmĂ€chtige Formulierung des RĂ€temodells war die Schrift Der BĂŒrgerkrieg in Frankreich, in der Karl Marx es anhand der Erfahrungen der Pariser Kommune beschrieb.cite-ref-112[112]
In den Neuen Sozialen Bewegungen wurde ab den 1970er Jahren das Modell der Basisdemokratie populĂ€r, das spĂ€ter auch bei der Partei Die GrĂŒnen einen hohen Stellenwert hatte. Der etwas diffuse Begriff bezeichnet die unmittelbare Beteiligung der politischen Basis an Willensbildung und Entscheidungsfindung.cite-ref-113[113] Die Bezeichnung Basisdemokratie deutet auf eine Verbindung mit RĂ€temodellen hin, da diese oft eine Organisation der Basis in Basisgruppen vorsehen, etwa nach Betrieben oder Wohnvierteln.cite-ref-114[114] Sie wird meist nicht mit Bezug auf ein staatliches Modell, sondern auf eine Organisation, Institution oder Bewegung gebraucht. Basisdemokratie sollte ein höheres Niveau an Legitimation fĂŒr Entscheidungen bereitstellen, gewöhnlich mittels Konsensfindung. Sie galt ihren Protagonisten daher als bessere Alternative zu reprĂ€sentativ-demokratischen Modellen. Es ist freilich nicht immer klar, wer zur Basis zĂ€hlt: Mitglieder, Aktivisten, Betroffene.cite-ref-115[115]
ReprÀsentative Demokratie
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Hauptartikel
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ReprÀsentative Demokratie
FĂŒr die ReprĂ€sentative Demokratie charakteristisch ist die Wahl der ReprĂ€sentanten des Wahlvolkes in regelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden. Das Mandat der Volksvertreterinnen und -vertreter endet also mit dem Auslaufen des auch als Legislaturperiode bezeichneten Zeitraums ihrer Beauftragung. In der AusĂŒbung ihres Mandats sind die GewĂ€hlten je nach politischem System in unterschiedlicher Weise frei oder an den WĂ€hlerwillen rĂŒckgebunden. In der modernen Parteiendemokratie erhalten die GewĂ€hlten ihr Mandat sowohl aus persönlichen als auch parteilichen GrĂŒnden, wobei die jeweilige Parteiprogrammatik sowohl die Wahlentscheidung als folglich auch das Abgeordnetenverhalten oft in hohem MaĂe bestimmt (Fraktionsdisziplin).cite-ref-116[116]
Eine reprĂ€sentative Willensbildung solle nicht nur der FunktionsfĂ€higkeit, sondern auch der RationalitĂ€t demokratischen Handelns dienen, hieĂ es bereits 1771 bei Jean Louis de Lolme. Wenn das Volk durch von ihm bestellte ReprĂ€sentanten an den politischen Entscheidungen teilnehme, könne man ihm nicht, wie etwa der altrömischen Volksversammlung, von heiligen HĂŒhnern etwas vorschwatzen. Vielmehr lĂ€gen die Entscheidungen dann in den HĂ€nden einer ĂŒberschaubaren Anzahl politisch informierter und engagierter Persönlichkeiten. Deren Verhandlungen spielten sich in einem geordneten Verfahren ab.cite-ref-117[117] Die Untergliederung der Volksvertretung in Regierungspartei und Opposition bewirkt, dass die Willensbildung der ReprĂ€sentanten wenigstens der Ă€uĂeren Form nach als Austausch von Argumenten und nicht als solidarische Zustimmung strukturiert wird. Zudem baute de Lolme auf die Kontrolle durch eine informierte öffentliche Meinung.cite-ref-118[118]
Ein wichtiges Merkmal bei der Unterscheidung von reprĂ€sentativen demokratischen Regierungssystemen liegt laut Winfried Steffani in der Art, wie jeweils die Regierung abberufen werden kann, wobei zwischen parlamentarischen und prĂ€sidentiellen Systemen unterschieden wird. Demnach ist eine Demokratie als parlamentarische anzusehen, wenn ein Parlament (beziehungsweise die Legislative) ĂŒber ein systematisches Abberufungsrecht der Regierung verfĂŒgt; andernfalls handle es sich um prĂ€sidentielle Systeme.cite-ref-119[119] Bekannte Beispiele fĂŒr prĂ€sidentielle Demokratien sind das politische System Frankreichs und das der USA.
Mischformen
plebiszit-c3-a4re-demokratieplebiszit-re-demokratieDie meisten modernen Demokratien sind reprÀsentative Demokratien mit direktdemokratischen Elementen auf nationaler und/oder kommunaler Ebene. Das Volk trifft sowohl Personal- als auch Sachentscheidungen (Plebiszite). Eine solche Mischform nennt man plebiszitÀre Demokratie. Die Gewichtung der reprÀsentativen und direktdemokratischen Elemente kann dabei von Staat zu Staat unterschiedlich ausfallen. Deshalb unterscheidet man weiter zwischen halbdirekter, gemischter und bedingt reprÀsentativer Demokratie.
Der Begriff plebiszitĂ€re Demokratiecite-ref-120[120] wird daneben auch als Sammelbezeichnung fĂŒr alle volksunmittelbaren Abstimmungen (Sachentscheidungen) verwendet. In der Schweiz ist der Begriff insofern gleichbedeutend mit Volksrechte. Die Schweiz ist auf nationaler, kantonaler und kommunaler Ebene eine plebiszitĂ€re Demokratie, wobei auf nationaler und in den meisten Kantonen auch auf kantonaler Ebene und in gröĂeren Gemeinden (StĂ€dten) auf kommunaler Ebene ein Parlament legislativ tĂ€tig ist, und das Volk bei Parlamentsentscheiden nur ĂŒber VerfassungsĂ€nderungen und ĂŒber GesetzesĂ€nderungen abstimmt. In den kleineren Gemeinden gibt es keine Volksvertretung (meist Einwohnerrat genannt), sondern Entscheide, die direkt in einer BĂŒrgerversammlung (meist Gemeindeversammlung genannt) diskutiert und abgestimmt werden.
Als Demarchie wird eine bislang unverwirklichte Alternative zum Parlamentarismus beschrieben, in der alle EntscheidungstrĂ€ger eines Gemeinwesens reprĂ€sentativ aus denjenigen Menschen mittels Losverfahren bestimmt wĂŒrden, die von diesen Entscheidungen betroffen wĂ€ren.cite-ref-burnheim1987-121-0[121] Dabei sollten alle politischen Institutionen so weit wie möglich dezentralisiert werden.cite-ref-buchstein2009-122-0[122] Das Losverfahren gleicht dem aus der attischen Demokratie bekannten Verfahren zur Besetzung von Ămtern und Gerichten.cite-ref-burnheim1987-121-1[121] Peter Rinderle wendet ein, dass die symbolische QualitĂ€t des Wahlaktes, bei dem sich alle Wahlberechtigten als frei wĂ€hlende Mitglieder einer demokratischen Gemeinschaft erfahren können, verloren ginge. Auch könne die Auslosung von Parlamentssitzen die private Freiheit der Erlosten beeintrĂ€chtigen: Vielleicht wĂŒrden sie die fĂŒr politische TĂ€tigkeit aufzuwendende Zeit lieber in ihrem Beruf oder mit anderem verbringen wollen. Zudem fehlte bei Auslosung die RĂŒckbindung an einen WĂ€hlerwillen bzw. an die Wahlprogramme von Parteien.cite-ref-123[123]
Mehrheits- versus Konsensdemokratie
Demokratietypen werden in Theorie und Praxis auch danach unterschieden, welchen Rolle Mehrheiten und Minderheiten fĂŒr den Aushandlungs- und Entscheidungsprozess im jeweiligen politischen System spielen. In Anlehnung an Arend Lijphart benennt Manfred G. Schmid Merkmale einerseits von Mehrheitsdemokratien und andererseits von Konsensusdemokratien: In Mehrheitsdemokratien ist die Exekutivmacht in den HĂ€nden einer wegen des zugrunde liegenden Mehrheitswahlrechts alleinregierenden Mehrheitspartei konzentriert; hier hat die Regierung gegenĂŒber der Legislative eine starke Stellung und steht die Zentralbank in AbhĂ€ngigkeit zur Regierung. Dem entspricht weitgehend beispielsweise GroĂbritannien.
Konsensusdemokratien verteilen die Exekutivmacht dagegen auf mehrere Parteien; zwischen Exekutive und Legislative soll ein KrÀftegleichgewicht bestehen. Spezifische Merkmale sind zudem ein Vielparteiensystem mit VerhÀltniswahlrecht, ein föderalistischer, dezentralisierter Staatsaufbau, ein Zweikammersystem mit gleich starken Kammern und eine unabhÀngige Zentralbank. Dies trifft in hohem Maà zum Beispiel auf die Schweiz zu.cite-ref-124[124]
Als theoretisches Konzept wird die Konsensdemokratie zudem als deliberative Demokratie reflektiert. Dabei geht es um die Einflussminderung von reprĂ€sentierenden Funktionseliten hin zu mehr öffentlicher Beratung. Die BĂŒrger werden als fĂ€hig angesehen, ihre eigenen Positionen anhand der Argumente anderer zu prĂŒfen, sich ĂŒber EntscheidungsgegenstĂ€nde hinreichend zu informieren, das Gesamtwohl zu berĂŒcksichtigen, sich in den diskursiven Austausch einzubringen. Nach den Vorstellungen von JĂŒrgen Habermas muss ein solcher in der Ăffentlichkeit auszutragender Diskurs frei von Gewalt- und MachteinflĂŒssen sein, muss Offenheit fĂŒr alle Probleme und Fragestellungen bestehen, darf keine gesellschaftliche Teilgruppe ausgeschlossen sein und sollten alle die gleichen Möglichkeiten erhalten, ihre Vorstellungen einzubringen und berĂŒcksichtigt zu werden. Ziel des Verfahrens soll sein, das âRichtigeâ zu ermitteln, hervorgehend aus einem Konsens aller Beteiligten und nicht als Kompromiss widerstreitender Interessen. Von Kritikern dieses Konzepts hinterfragt wird unter anderem bereits die Bereitschaft der beteiligten BĂŒrger, ihre eigenen Positionen im Rahmen des Prozesses zu verĂ€ndern und einen verallgemeinerbaren Konsens als richtig zu erkennen und mitzutragen.cite-ref-125[125]
Konkurrenz- versus Konkordanzdemokratie
Ăhnlich angelegt ist die Unterscheidung zwischen Konkurrenzdemokratie und Konkordanzdemokratie.cite-ref-126[126] Der Akzent beim Begriff Konkurrenzdemokratie liegt auf dem Wettbewerb im Mehrparteiensystem, in dem mit Parteiprogrammen und Wahlversprechen um die WĂ€hlerstimmen geworben wird. Die eigenen Regierungsziele kann wĂ€hrend der Dauer der Legislaturperiode umsetzen, wem die Stimmenmehrheit zufĂ€llt. Die Unterlegenen bilden die Opposition und setzen ihre Hoffnungen in den nĂ€chsten Wahltermin. Ein derartiges konkurrenzdemokratisches System stöĂt aber laut Bernhard Frevel und Nils Voelzke an seine Grenzen, wo ein Staat nicht von HomogenitĂ€t geprĂ€gt ist, sondern von HeterogenitĂ€t, wo auf der Basis des reinen Mehrheitsprinzips die abweichenden Interessen starker Minderheiten regelmĂ€Ăig niedergestimmt wĂŒrden, wie das zum Beispiel in Staaten mit mehreren Sprach- oder Volksgruppen, mit differierenden religiösen Bindungen oder im Wirtschaftswohlstand stark voneinander abweichenden Regionen der Fall sein kann.cite-ref-127[127]
In einer Konkordanzdemokratie dagegen â frĂŒher âProporzdemokratieâ, inzwischen auch âVerhandlungsdemokratieâ genannt â wird anstelle des Mehrheitsprinzips ein gĂŒtliches Einvernehmen mittels Kompromisstechniken gesucht, wird Minderheitenschutz durch Minderheitenbeteiligung an den Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen verwirklicht. Dies kann einerseits im informellen politischen Prozess geschehen, indem die gesellschaftlichen Gruppen durch Anhörungen in den Meinungsbildungsprozess von Parlament und Regierung aufgenommen werden; dies kann aber auch formal gewĂ€hrleistet sein, indem festgelegte Proporz- oder ParitĂ€tsregeln die politische Partizipation und Ămtervergabe regeln. Dieser Ansatz kann in hohem MaĂe zu politischer StabilitĂ€t und zur Integration unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppierungen beitragen, tendiert aber auch zur Bewahrung des Status quo, sodass Innovationen nur gelegentlich und mit groĂem Zeitaufwand zustande kommen.cite-ref-128[128]
Prozedurale versus substanzielle Demokratie
Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Alan Dahl sieht Demokratie als Verfahren kollektiver Entscheidungsfindung innerhalb eines Gemeinwesens, das gekennzeichnet ist durch fĂŒnf Bedingungen: Gleichberechtigung der Mitglieder, wirksame und angemessene Möglichkeiten zur Teilnahme, hinreichende Information der Mitglieder in Bezug auf die Punkte der politischen Agenda, volle Kontrolle der Mitglieder ĂŒber diese Agenda und Einschluss aller Erwachsenen in die Mitgliedschaft. Diese fĂŒnf stellen nach Dahl die notwendigen und hinreichenden Bedingungen fĂŒr eine demokratische Selbstverwaltung dar.cite-ref-129[129]
Gegen einen solchen prozeduralen Demokratiebegriff wenden sich Wissenschaftler wie Ronald Dworkin, die einen substanziellen Demokratiebegriff vertreten. Demnach muss nicht nur das Verfahren demokratisch sein, durch das eine politische Entscheidung getroffen wird, sondern auch der Inhalt dieser Entscheidung: âEntscheidungen einer Mehrheit sind nur dann demokratisch, wenn der Status und die Interessen eines jeden BĂŒrgers als vollberechtigter Partner [⊠gewahrt werden].âcite-ref-130[130] Das heiĂt, dass Mehrheiten zum Beispiel keine diskriminierenden Gesetze beschlieĂen dĂŒrfen. Hiergegen wird wiederum eingewandt, dass dieses DemokratieverstĂ€ndnis Rechtfertigungen liefert fĂŒr Interventionen von Experten oder WĂ€chtern in den demokratischen Prozess. Die Letztentscheidungen lĂ€gen somit nicht beim souverĂ€nen Volk, sondern bei den Gerichten.cite-ref-bergman-2021-22-1[22]
Die beiden Demokratiebegriffe lassen sich exemplifizieren an den beiden Demokratien, die im Lauf des 20. Jahrhunderts in Deutschland gegrĂŒndet wurden: Die Weimarer Republik ging von einem prozeduralen, rechtspositivistischen DemokratieverstĂ€ndnis aus, wonach sich die Demokratie auch selbst abschaffen durfte, wenn dies nur rechtlich sauber geschah. Insofern konnten mit Zweidrittelmehrheit im Reichstag ErmĂ€chtigungsgesetze erlassen werden, die den demokratischen Wesenskern des Staates aushöhlten, wie es das ErmĂ€chtigungsgesetz vom 24. MĂ€rz 1933 nachhaltig tat. Im Parlamentarischen Rat zogen die VĂ€ter und MĂŒtter des Grundgesetzes daraus die viel zitierten Lehren aus Weimar:cite-ref-131[131] Die Bundesrepublik Deutschland ist demnach eine streitbare Demokratie, eine Selbstabschaffung der Demokratie ist laut der Wesensgehaltsgarantie (Artikel 19 des Grundgesetzes fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland) und der Ewigkeitsklausel (Art. 79) unzulĂ€ssig.
Messinstrumente zur Bestimmung von Entwicklungsstand und QualitÀt demokratischer Systeme
Wie bei allen politischen Systemen sind Entstehen und Fortbestehen demokratischer Ordnungen von innergesellschaftlichen und auĂenpolitischen Einflussfaktoren abhĂ€ngig. Vergleichende Demokratieforschung analysiert solche Kontextbedingungen und entwickelt Messinstrumente zur Bestimmung von Entwicklungsstand und QualitĂ€t eines vorhandenen demokratischen Systems. Als besonders erhellend betrachtet Samuel Salzborn das von Wolfgang Merkel entworfene Konzept der âeingebetteten Demokratieâ (embedded democracy), das die StabilitĂ€t einer funktionsfĂ€higen Demokratie auf die Interaktion von fĂŒnf Teilregimen zurĂŒckfĂŒhrt: 1. das demokratische Wahlregime, 2. die politischen Partizipationsrechte, 3. die bĂŒrgerlichen Freiheitsrechte, 4. die institutionelle Sicherung der Gewaltenkontrolle sowie 5. die Sicherung der effektiven Regierungsgewalt der demokratisch gewĂ€hlten ReprĂ€sentanten.cite-ref-132[132]
Verschiedene Organisationen und Forschungsinstitute veröffentlichen Indikatoren fĂŒr DemokratiequalitĂ€t, die auch in der vergleichenden Forschung verwendet werden. Zu den bekanntesten solchen Indikatoren zĂ€hlen die Demokratieindizes des V-Dem Instituts, die elektorale, liberale, partizipative, deliberative und egalitĂ€re Demokratie anhand von ExperteneinschĂ€tzungen messen.cite-ref-133[133]
Defekte Demokratie
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Hauptartikel
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Defekte Demokratie
Als defekte Demokratie werden in der vergleichenden Politikwissenschaft politische Systeme bezeichnet, in denen zwar demokratische Wahlen stattfinden, die jedoch gemessen an den normativen Grundlagen liberaler Demokratien (Teilhaberechte, Freiheitsrechte, Gewaltenkontrolle etc.) verschiedene Defekte aufweisen. Man unterscheidet innerhalb der Defekten Demokratien: Exklusive Demokratie, Illiberale Demokratie, Delegative Demokratie und Enklavendemokratie. Das Konzept der defekten Demokratie ist in der Politikwissenschaft umstritten.
Mangelnde Gleichheit bzw. unzureichende ReprÀsentation
Politische Gleichheit ist eine der Voraussetzungen fĂŒr Demokratie: Jeder BĂŒrger sollte mit Wahlgleichheit eine gleichgewichtige Stimme haben. Die zum Zweck der Bildung stabiler Regierungskoalitionen oft anzutreffenden Sperrklauseln verursachen allerdings verschwendete Stimmen, die nicht im Parlament reprĂ€sentiert sind.cite-ref-134[134] Obwohl es fĂŒr eine Regierung unmöglich ist, die PrĂ€ferenz jedes BĂŒrgers jederzeit zu berĂŒcksichtigen, sollte es aus demokratischer Sicht keine strukturelle Ungleichheit bei der StimmenberĂŒcksichtigung geben. Analysen zeigen jedoch, dass dies fĂŒr einige Demokratien nicht der Fall ist:
Europa
Im EuropĂ€ischen Parlament verursacht die degressive ProportionalitĂ€t des Sitzzuteilungsverfahrens bei kleineren LĂ€ndern mehr Sitze pro BĂŒrger als bei gröĂeren LĂ€ndern.
Eine Analyse auf der Ebene von 25 europĂ€ischen LĂ€ndern zeigt, dass es kaum eine Gleichgewichtigkeit der StimmenreprĂ€sentation speziell bei der Frage der gesellschaftlichen Umverteilung bzw. des Wohlfahrtstaates gibt. Gruppen mit niedrigerem Einkommen sind in der Regel unterreprĂ€sentiert, wĂ€hrend Gruppen mit höherem Einkommen ĂŒberreprĂ€sentiert sind. Ferner stellte die Studie fest, dass diese unterschiedliche ReprĂ€sentation gerade dann ausgeprĂ€gter ist, wenn die Vorlieben von Arm und Reich stĂ€rker voneinander abweichen. Wenn diese PrĂ€ferenzen nicht ĂŒbereinstimmen, tendieren die Regierungen dazu, den PrĂ€ferenzen der Reichen mehr zu folgen als denen der Armen.cite-ref-135[135]
Schweiz
Eine weitere Studie untersuchte eine Ă€hnliche Fragestellung anhand des Schweizer Parlaments. Sie verglich Umfragedaten zu den Meinungen der BĂŒrger mit denen der Abgeordneten zu wirtschaftlichen Fragen in der Wahlperiode 2007â11. Die Ergebnisse zeigten, dass Abgeordnete meist weniger fĂŒr staatliche Eingriffe in die Wirtschaft sind als der DurchschnittsbĂŒrger. Die Ergebnisse zeigen auĂerdem, dass relativ arme BĂŒrger im Vergleich zu BĂŒrgern mit hohem Einkommen weniger gut in ihrer Meinung vertreten werden.cite-ref-136[136]
Deutschland
Die im Jahr 2021 gewĂ€hlten Abgeordneten des Deutschen Bundestags stehen nicht reprĂ€sentativ fĂŒr die deutsche Bevölkerung. 87 Prozent der Bundestagsmitglieder sind Akademiker, wĂ€hrend ihr Anteil in der Bevölkerung bei 14 bis 15 Prozent liegt.cite-ref-137[137] Laut einem Forschungsbericht im Auftrag des Bundesministeriums fĂŒr Arbeit und Soziales von 2016 auf Basis der Daten von 1998 bis 2015 werden in Deutschland die PrĂ€ferenzen der sozialen Schichten bei politischen Entscheidungen unterschiedlich stark berĂŒcksichtigt. Es zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang von politischen Entscheidungen mit den Einstellungen von Personen mit höherem Einkommen, jedoch keiner oder sogar ein negativer mit denen von Einkommensschwachen.cite-ref-138[138]
âScheindemokratieâ
Viele Staaten weisen Defizite bei wesentlichen demokratischen Elementen und Grundrechten auf (demokratische Defizite), obwohl sie sich als Demokratien bezeichnen. Diese werden in den Medien manchmal âScheindemokratieâ genannt.
In einer vom SĂŒdwestrundfunk 2021 in Auftrag gegebenen Umfrage zur Demokratie stimmten 31 Prozent der Befragten in Deutschland der Aussage zu: âWir leben nur scheinbar in einer Demokratieâ. 28 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass das demokratische System in Deutschland âgrundlegend geĂ€ndertâ werden mĂŒsse.cite-ref-139[139]
Funktionsbedingungen der modernen Demokratie
Das Nachdenken darĂŒber, welches die Faktoren seien, unter denen sich stabile Demokratien entwickeln können, hat bereits in der politischen Theorie der Antike begonnen (siehe oben) und wurde unter den Bedingungen der frĂŒhen Neuzeit fortgesetzt. FĂŒr die moderne Massendemokratie ist die vergleichende Demokratieforschung teils zu Ă€hnlichen Ergebnissen gelangt, hat aber zusĂ€tzliche Anpassungen vorgenommen.
Voraussetzungen und begĂŒnstigende Faktoren
Vier essenzielle Bedingungen fĂŒr eine stabile Demokratie referiert VorlĂ€nder aufgrund der Ergebnisse neuerer vergleichender Demokratieforschung:
⹠eine effektive zivile Kontrolle der exekutiven, insbesondere militÀrischen Gewalt,
âą eine politische Kultur, die einen Konfliktaustrag auf dem Wege des Kompromisses unterstĂŒtzt und insgesamt Demokratie bejaht
âą eine plurale Gesellschaft ohne dirigistische staatliche Eingriffe mit breiter Streuung der verschiedenen Machtressourcen
âą eine förderliche auĂenpolitische Lage.
ErgĂ€nzend werden zwei Faktoren genannt, die eine Demokratie begĂŒnstigen:
âą eine marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung
âą kulturellen Pluralismus bei gleichwohl ĂŒberlappendem demokratischen Konsens.cite-ref-140[140]
MĂŒndige BĂŒrger
Um den demokratischen LegitimitĂ€tsanspruch an die Demokratie aufrechtzuerhalten, sind nach Hubertus Buchstein mĂŒndige BĂŒrger eine wichtige Voraussetzung. Die Demokratie selbst sei jedoch unfĂ€hig, solche BĂŒrger zu (re-)produzieren, die es fĂŒr die FunktionsfĂ€higkeit des demokratischen Systems eigentlich brauche.cite-ref-141[141] Eine erfolgreiche Partizipation etwa kann nur gelingen, wenn die BĂŒrger selbstbestimmt und unabhĂ€ngig agieren und in diesem Sinne ĂŒber bestimmte BĂŒrgerqualitĂ€ten verfĂŒgen.cite-ref-142[142] DafĂŒr ist zum einen grundlegendes politisches (Fakten-)Wissen nötig. Doch auch prozedurales politisches Wissen sowie gewisse Persönlichkeitsmerkmale der BĂŒrger selbst sind dabei von Bedeutung.cite-ref-143[143] Letzteres stellt den Kerngedanken eines politischen Tugendbegriffes dar, der durch eine Orientierung auf die Gemeinschaft sowie durch bestimmte Emotionen und Handlungsmotivationen gekennzeichnet ist.cite-ref-144[144]
Unterschiedliche politische Systeme bedĂŒrfen unterschiedlicher politischer Tugenden. FĂŒr (westliche) demokratische Systeme stellen etwa LoyalitĂ€t, Mut, Toleranz, SolidaritĂ€t oder Fairness wichtige Eigenschaften der BĂŒrger zur Aufrechterhaltung des demokratischen Systems dar. Um diese (und weitere nötige) Dispositionen nachhaltig zu fördern und auszubauen, bedarf es unterstĂŒtzender, institutioneller Rahmenbedingungen. Wissen und Verstehen im Sinne mĂŒndiger BĂŒrger setzten den allgemeinen freien Zugang zu allen Informationen voraus, die fĂŒr eine politische Entscheidung gebraucht werden (Rezipientenfreiheit). Politische Meinungsbildung und -artikulation in einer Demokratie beruhen zudem auf Organisationsfreiheit. Dazu gehören Versammlungsfreiheit und die Freiheit, Parteien und andere gesellschaftliche Organisationen zu bilden. In der Denktradition der deliberativen Demokratie eignen sich zur Ausbildung politischer Kompetenzen etwa auch BĂŒrgerforen.
Demokratie in pluralen Gesellschaften
Ein zentrales Problem der Demokratie in modernen Gesellschaften ist, dass das âVolkâ nicht aus einzelnen, unabhĂ€ngig voneinander rational entscheidenden Menschen besteht, sondern aus verschiedenen sozialen Gruppen, Klassen oder Schichten, die durch unterschiedliche soziale, ethnische, wirtschaftliche, kulturelle oder religiöse Gemeinsamkeiten und ihre jeweiligen spezifischen Interessen konstituiert werden. Durch VerbĂ€nde, Vereine, Initiativen oder Lobbygruppen ĂŒben diese Gruppen Druck auf die demokratisch legitimierten EntscheidungstrĂ€ger aus. Diese betroffenheitsgesteuerten Interventionen gelten als unentbehrliche ErgĂ€nzung des demokratischen Willensbildungsprozesses. Wenn aber einige dieser Gruppen permanent in der Minderheit bleiben und durch die majoritĂ€ren Gruppen unterdrĂŒckt werden, sodass ihre jeweiligen Anliegen nie im Wege eines Kompromisses in den Entscheidungsprozess einflieĂen, spricht man von einer fragmentierten Gesellschaft. In einem solchen Fall mĂŒssen institutionelle Formen der Demokratie gefunden werden, die das Mehrheitsprinzip teilweise auĂer Kraft setzen. Eine dieser Möglichkeiten ist der Föderalismus, der geographisch separat siedelnden Minderheiten Mitbestimmungsmöglichkeiten zubilligt. Leben die unterdrĂŒckten Minderheiten in gemischten Siedlungsgebieten mit der Mehrheit, kann die politische Macht funktional aufgeteilt werden: Die minoritĂ€ren Gruppen dĂŒrfen dann Vertreter in die paritĂ€tisch oder anteilsmĂ€Ăig besetzten Entscheidungsgremien entsenden, sie erhalten feste PlĂ€tze in Legislative oder Exekutive oder erhalten ein Vetorecht. In solchen Demokratien gibt es dann zwar keine Opposition im eigentlichen Sinne des Wortes mehr, die Alternative wĂ€re aber ein Ăbergang zu einer autoritĂ€ren Herrschaft oder ein BĂŒrgerkrieg.cite-ref-145[145] Quoten und Vetorechte werden aktuell im Zusammenhang mit einer âmultikulturellen Demokratieâ diskutiert, in der die verschiedenen Minderheiten von Migrantengruppen angemessen wahrgenommen wĂŒrden.cite-ref-146[146]
Zwei unterschiedliche Konzepte prĂ€gen derzeit die Diskussion um Demokratisierung in pluralen Gesellschaften: AnhĂ€nger einer deliberativen Demokratie wie James Bohman oder JĂŒrgen Habermas setzen auf öffentliche Deliberation, also den Austausch von Argumenten in einem rationalen Diskurs. Hier können, so die Erwartung, rein private Interessen und Argumente erkannt und ausgesondert werden. Sie beanspruchen fĂŒr die Ergebnisse solcher Deliberationen einen höheren Grad an Legitimation als fĂŒr Wahlen und Abstimmungen. DemgegenĂŒber kritisieren AnhĂ€nger der radikalen Demokratie, wie etwa Chantal Mouffe, die Gleichsetzung von RationalitĂ€t und Demokratie und betonen die Rolle der kollektiven Leidenschaften im politischen Diskurs. Sie unterscheiden zwischen der Parteipolitik, die nur bestehende Herrschaftsstrukturen reproduziere, und Momenten des Politischen, in denen ebendiese hierarchischen und unterdrĂŒckenden Strukturen sichtbar gemacht und herausgefordert werden. Auf diese radikale Infragestellung von politischen und sozialen Herrschaftsstrukturen kommt es ihnen an.cite-ref-147[147]
Gesamtgesellschaftliche Perspektive und Partizipation
Der demokratische Gedanke bedarf einer Verwirklichung in der Gesellschaft, als wesentlicher Prozess der politischen Meinungs- und Willensbildung. In der Antike waren dies Marktplatz, Agora oder Forum als bedeutende Orte der politischen Meinungsbildung, im ausgehenden Mittelalter öffentliche PlĂ€tze, spĂ€ter Stammtische. Auch im Sinne jĂŒngerer demokratietheoretischer Ăberlegungen wird einer zivilgesellschaftlich verankerten politischen Ăffentlichkeit eine wichtige Bedeutung fĂŒr eine funktionsfĂ€hige Demokratie zugemessen. Es komme auf das Zusammenwirken von informeller Meinungsbildung und verfasster Willensbildung an, auf die Kooperation parlamentarisch-reprĂ€sentativer und authentischer VerstĂ€ndigungsprozesse im auĂerparlamentarischen, gesellschaftlichen Bereich.cite-ref-148[148]
Legitimation der rechtlichen und sozialen Ordnung durch Demokratie
Eine wichtige Legitimationstheorie der Demokratiecite-ref-149[149] grĂŒndet sich auf das Ideal einer âVolksherrschaftâ, die auf der Zustimmung und Mitwirkung aller BĂŒrger beruhen solle. Theoretisch kann man eine BegrĂŒndung dafĂŒr in folgender Ăberlegung suchen: Die Ordnung der politischen Gemeinschaft solle sich auf Gerechtigkeit grĂŒnden. Die letzte Grundlage, zu der alles BemĂŒhen um Gerechtigkeitseinsicht vordringen kann, ist das, was das individuelle Gewissen nach bestmöglichem Vernunftgebrauch fĂŒr gut und gerecht befindet. Daher gilt jeder als eine dem anderen gleich zu achtende moralische Instanz, wie Kant feststellte. Dies fĂŒhrt, so Reinhold Zippelius, âfĂŒr den Bereich des Staates und des Rechts zu dem demokratischen Anspruch, dass alle in einem freien Wettbewerb der Ăberzeugungen auch ĂŒber die Fragen des Rechts und der Gerechtigkeit mitbestimmen und mitentscheiden solltenâ.cite-ref-150[150] Dementsprechend gilt heute die Demokratie im westlichen VerstĂ€ndnis als einzig mögliche Legitimation der sozialen Ordnung (siehe auch Demokratismus).cite-ref-151[151]
DemokratisierungsvorgÀnge
Die EinschĂ€tzung der Demokratie als der â(einzig) richtigen Staatsformâ und als vorrangiges gesellschaftliches Gestaltungsprinzip mĂŒndet in den sogenannten Demokratisierungsprozess.cite-ref-152[152] Dabei wird unterschieden zwischen einer Demokratisierung von âuntenâ, bei der die Demokratie durch eine Revolution des Volkes innerstaatlich eingefĂŒhrt wird, und einer Revolution von âobenâ, bei der das Land durch eine fremde Macht von auĂen âdemokratisiertâ wird.cite-ref-153[153] Letzteres kann durch die gewaltsame âBefreiungâ eines Landes (wie es beispielsweise bei der Entnazifizierung oder in Afghanistan und dem Irak der Fall war) geschehen oder in abgeschwĂ€chter Form zum Beispiel durch Demokratieförderung.cite-ref-154[154] Neuere Forschung verweist darauf, dass Demokratie auch in RevolutionszusammenhĂ€ngen wie seinerzeit in Frankreich oder in den USA wesentlich von oben befördert wurde und dass die meisten Demokratien ohnehin ohne Revolutionen entstanden sind.cite-ref-155[155]
Die treibende Kraft einer Demokratisierung ist meist die Unzufriedenheit mit den bestehenden (undemokratischen) VerhĂ€ltnissen. Bei Wahlentscheidungen in bestehenden Demokratien orientieren sich die BĂŒrger weniger an der Verteidigung demokratischer Prinzipien als an nĂ€herliegenden alltĂ€glichen Problemen. Es bedarf darum staatlicher Institutionen (und Eliten), um eine Demokratie vor Angriffen zu schĂŒtzen.cite-ref-156[156]
Demokratisierung im Sinne der Entwicklung und Sicherung von Freiheit bedingt die rechtsstaatliche Bindung der Staatsgewalt, die GewĂ€hrleistung von Grundrechten, eine rechtsstaatliche Strukturierung der Entscheidungsverfahren im Rahmen einer Gewaltenteilung sowie rechtsstaatliche VerfahrensgrundsĂ€tze und Kontrollen. Als demokratie- und partizipationsfördernd wird auch die Dezentralisierung der Entscheidungskompetenzen in Verbindung mit dem SubsidiaritĂ€tsprinzip angesehen. DafĂŒr grundlegend ist die föderative Gliederung eines Staates in LĂ€nder und die Gliederung der LĂ€nder in Selbstverwaltungskörperschaften bis hin zu den Gemeinden. In einem so gegliederten Gemeinwesen sollen die nachgeordneten politischen Einheiten alles erledigen, was sie besser oder ebenso gut besorgen können wie die ĂŒbergeordneten. Dadurch sollen die kleineren Gemeinschaften und deren Mitglieder ein HöchstmaĂ an Selbstbestimmung und Verantwortung fĂŒr ihren eigenen Lebensbereich erhalten; insgesamt soll auf diese Weise fĂŒr BĂŒrgernĂ€he gesorgt werden.cite-ref-157[157]
EinflussgröĂen und Wechselwirkungen
Alte und neue Medien
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Hauptartikel
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Vierte Gewalt
,
Mediendemokratie
und
Soziale Medien
Das Mediensystem gilt als wichtiger Faktor fĂŒr die FunktionsfĂ€higkeit der Demokratie. Die massenmediale Informationsvermittlung ist fĂŒr die Meinungsbildung grundlegend geworden. Medien begleiten die politischen AblĂ€ufe und kontrollieren das Regierungshandeln. In der Mediendemokratie bestimmen sie die öffentliche Agenda, so VorlĂ€nder, wĂ€hrend sich andererseits das politische Personal der Medien bedient, um Einfluss auf das Publikum zu nehmen. âDer Wettstreit der Argumente, Positionen und Personen, im Medium der Talkshows [âŠ] fĂŒhrt, wenngleich mediatisiert, zurĂŒck zum Archetyp der agonalen Politik der Athener Polisdemokratie.âcite-ref-158[158]
Die dominierende Stellung der audiovisuellen und der Printmedien wird durch den Einfluss der neuen sozialen Medien zunehmend in Frage gestellt. Die âdigitaleâ Demokratie gewĂ€hrleistet beschleunigte Informationsbeschaffung und vermittelt Aussicht auf eine neue, von gleichen Beteiligungschancen ausgehende Struktur der Meinungs-, Willens- und Entscheidungsbildung. In den sozialen Medien bieten sich Chancen zur schnellen und wirkmĂ€chtigen Aktivierung und Mobilisierung von Gleichgesinnten sowie zur Organisation von Kampagnen. Als qualitative Verbesserung demokratischer Strukturen erscheint sie andererseits nicht unbedingt. Das Problem der unterschiedlichen Beteiligung aufgrund sozialer und kultureller HintergrĂŒnde oder auch des individuellen Internetzugangs besteht teilweise fort. Zudem bilden sich in Netzwerken und Gruppen sogenannte Filterblasen oder Echokammern mit AbschlieĂungseffekten gegenĂŒber abweichenden Informations- und Meinungsbildungsimpulsen. Dadurch kommt es zu verstĂ€rkter Parzellierung der Ăffentlichkeit in viele Teilöffentlichkeiten, die in verantwortlichen Meinungs â und Entscheidungsbildungsprozessen schwer zusammenzufĂŒhren sind. Zudem können Blogs und Tweets demagogisch wirken, können Social Bots den öffentlichen Meinungsbildungsprozess und die LegitimitĂ€t demokratischer Wahlverfahren gefĂ€hrden.cite-ref-159[159]
Rechtsstaatlichkeit
Das Freiheitsversprechen der Demokratie erfordert den Aufbau einer Rechtsordnung mit Regeln des Zusammenlebens, die grundsĂ€tzlich fĂŒr alle gelten. Im Rahmen der Gesetzgebung wird einerseits die Freiheit des Handelns geschĂŒtzt, andererseits ein Rahmen vorgegeben, der das Handlungsspektrum durch Verbot und Kriminalisierung von gemeinschafts- und freiheitsschĂ€dlichem Verhalten begrenzt. Das demokratische Prinzip des gleichen Rechts fĂŒr alle soll unabhĂ€ngig von körperlicher, sozialer, wirtschaftlicher oder geistiger StĂ€rke zur Geltung gebracht werden. Daraus ergibt sich jeweils die Funktion der staatlichen Institutionen:
âą vom Volk legitimierte Gesetzgebungsorgane zur Gestaltung des Ordnungsrahmens;
âą an die Gesetzgebung gebundene Regierungs- und Verwaltungsorgane;
âą eine die Einhaltung der Gesetzgebung ĂŒberwachende, unabhĂ€ngige Rechtsprechung.
In der Möglichkeit der Klage vor Gericht und des Bestehens auf TatbestandsprĂŒfung, die staatlichen Akteuren, Institutionen und Privatpersonen offen steht, liegt der Kern der Rechtsstaatlichkeit, so Frevel und Voelzke. âSowohl staatliche WillkĂŒrherrschaft als auch Zwang und UnterdrĂŒckung durch Dritte sollen mit dem Rechtsstaat verhindert werden.âcite-ref-160[160]
Wirtschaftswachstum
Zum Zusammenhang zwischen Demokratie und Wirtschaftswachstum liegen Forschungen aus mehreren Jahrzehnten mit insgesamt widersprĂŒchlichen Ergebnissen vor. Barro kam â entgegen Studien aus den 1980er Jahren â 1996 zu dem Schluss, dass Demokratie und Wirtschaftswachstum nicht kausal miteinander in Verbindung stehen, sondern durch dritte Faktoren wie Humankapital gemeinsam beeinflusst werden. Rodrik stellte 1997 fest, dass es keinen starken, deterministischen Zusammenhang zwischen Demokratie und Wachstum gebe, wenn man andere Faktoren konstant hĂ€lt.cite-ref-rivera-161-0[161]
FĂŒr einen Zusammenhang zwischen Demokratie und Wirtschaftswachstum wird argumentiert, dass Demokratien es erlaubten, unfĂ€hige, ineffiziente und korrupte Regierungen abzuwĂ€hlen, wodurch auf lange Sicht die QualitĂ€t der Regierung höher sei. AutoritĂ€re Regime könnten zwar zufĂ€llig hochwertige Regierungen stellen, doch wenn sie es nicht tĂ€ten, sei es schwerer, sie wieder loszuwerden.cite-ref-rivera-161-1[161] Auf der anderen Seite wird angefĂŒhrt, dass Interessengruppen durch Lobbyismus um Macht und Renten die Demokratie lĂ€hmen und fĂŒr den Entwicklungsprozess bedeutsame Entscheidungen verhindern können. So argumentiert der ehemalige Premierminister von Singapur Lee Kuan Yew, dass das beachtliche Wachstum seines Landes in den letzten 30 Jahren angeblich nicht ohne die strengen EinschrĂ€nkungen von politischen Rechten möglich gewesen wĂ€re. Andere haben auf die erfolgreichen Wirtschaftsreformen der Volksrepublik China verwiesen. Ăberdies herrsche in manchen Demokratien (beispielsweise in Lateinamerika) eine Ă€hnliche Machtstruktur wie in autoritĂ€ren Regimen.cite-ref-rivera-161-2[161]
So kann der Schluss gezogen werden, dass eine Demokratisierung (z. B. politische Rechte, BĂŒrgerrechte oder freie Presse) eine verbesserte Regierung nicht zwangsweise nach sich zieht. Rivera-Batiz (2002) bestĂ€tigt aus einer Analyse empirischer Daten zu 115 LĂ€ndern 1960â1990, dass Demokratie ein signifikanter Bestimmungsfaktor der totalen FaktorproduktivitĂ€t nur dann ist, wenn demokratische Institutionen mit einer höheren Governance-QualitĂ€t (z. B. wenig Korruption, sichere Eigentumsrechte) einhergehen.cite-ref-rivera-161-3[161]
Im Zuge der zunehmenden sozialökologischen Wachstumskritik wird gleichwohl grundsĂ€tzlich bezweifelt, ob die Ausrichtung auf Wirtschaftswachstum ĂŒberhaupt wĂŒnschenswert ist.cite-ref-162[162] Es wird argumentiert, dass das nur scheinbar nĂŒtzliche Wirtschaftswachstum zum einen durch immer intensivere Ressourcennutzung die natĂŒrlichen Lebensgrundlagen untergrĂ€bt und entscheidend zur ökologischen Krise beitrĂ€gt, und zum anderen zu einer VerschĂ€rfung der sozialen Ungleichheit fĂŒhrt, etwa wenn Lohnkosten gesenkt werden, um profitabler zu produzieren.
Demokratie und Frieden
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Hauptartikel
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Demokratischer Frieden
Demokratien sind weniger gewalttĂ€tig als Nichtdemokratien. Das gilt fĂŒr das MaĂ an innergesellschaftlicher Gewaltanwendung, vor allem aber fĂŒhren Demokratien keine Kriege gegeneinander.cite-ref-163[163] Als Ausnahmen von diesem empirisch belegten Zusammenhang gelten die Faschoda-Krise zwischen dem GroĂbritannien und Frankreich 1898 und die Kabeljaukriege zwischen Island und GroĂbritannien in den Jahren 1958 bis 1976. In beiden Konflikten kam es jedoch nicht zum Ausbruch eines regulĂ€ren Krieges. Ob die Korrelation zwischen Demokratie und Frieden auf einen Kausalzusammenhang zurĂŒckzufĂŒhren ist und falls ja, in welcher Richtung dieser wirkt, ist in den Internationalen Beziehungen umstritten. So argumentierte etwa der Friedensforscher Ernst-Otto Czempiel, dass Kriege nicht im Interesse der BĂŒrger seien. Wenn diese die Politik bestimmten, bleibe es friedlich.cite-ref-164[164] Dem wird entgegengehalten, dass nicht die Demokratie zu Frieden fĂŒhre, sondern umgekehrt, dass eine friedliche Umgebung demokratische Prozesse fördere. Andere Kritiker argumentieren, dass das Fehlen von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Demokratien andere Ursachen habe, als dass sie Demokratien sind. Insofern handele es sich um eine Scheinkorrelation. Der amerikanische Politikwissenschaftler Dan Reiter sieht gleichwohl starke Indizien dafĂŒr, dass Frieden und Demokratie sich gegenseitig begĂŒnstigen, rĂ€umt aber ein, dass eine solche wechselseitige BegĂŒnstigung ebenfalls fĂŒr Demokratie und Wirtschaftsentwicklung sowie fĂŒr Demokratie und Gleichberechtigung der Geschlechter besteht.cite-ref-165[165]
Kritik an DemokratieschwÀchen und -defiziten
Kritik an Merkmalen und Erscheinungsformen der Demokratie wurde von teils namhafter Seite bereits in der Antike geĂŒbt. FĂŒr den Historiker Thukydides war Athen in der Ăra des Perikles âdem Namen nach eine Demokratie, in Wirklichkeit aber eine Herrschaft des ersten Mannesâ.cite-ref-166[166] In des Tragödiendichters Euripides Tragödie Die Schutzflehenden sagt der Herold aus Theben zu Theseus: âDie Stadt, aus der ich komme, wird nur von einem Mann regiert, nicht vom Mob; niemand scheucht dort die BĂŒrger mit irrefĂŒhrenden Reden auf, und dirigiert sie zu seinem eigenen Vorteil hierhin und dahin.âcite-ref-167[167]
Die Kritik an mehr oder minder schwerwiegenden MĂ€ngeln gegenwĂ€rtiger demokratischer Systeme entzĂŒndet sich an diversen Erscheinungsformen und speist sich aus verschiedenen politischen Interessenlagen. HĂ€ufige Kritikaspekte betreffen eine Ungleichheit der WĂ€hler- und InteressenreprĂ€sentation, innergesellschaftliche Spaltungstendenzen, die demokratische Systeme destabilisieren, eine rĂŒcklĂ€ufige Kultur demokratischer Auseinandersetzung oder eine nachlassende WertschĂ€tzung demokratischer Errungenschaften. Kritische EinwĂ€nde werden nicht nur von Politologen, Gesellschaftswissenschaftlern und Philosophen formuliert, sondern im ganzen Raum medialer Ăffentlichkeiten.
ReprÀsentationsmÀngel und WahlrechtsbeschrÀnkungen
Das Wahlrecht hĂ€ngt nicht an der Zugehörigkeit zur realen Bevölkerung, sondern an der StaatsbĂŒrgerschaft. AuslĂ€nder, die die StaatsbĂŒrgerschaft nicht besitzen, dĂŒrfen sich ĂŒblicherweise nicht an demokratischen Wahlen des Landes beteiligen, in dem sie leben, weder passiv noch aktiv. Einige demokratische Staaten haben sehr hohe Quoten von nicht-StaatsbĂŒrgern, zum Beispiel Luxemburg 47,2 %, Schweiz 25,5 %, Ăsterreich 17,1 %, Deutschland 12,7 % und Spanien 11,3 % (Stand 2021cite-ref-168[168]). In manchen Staaten steht auch AuslĂ€ndern ein AuslĂ€nderwahlrecht zu, so sind in einigen Schweizer Kantonen und Gemeinden AuslĂ€nder stimmberechtigt. Auch dĂŒrfen EU-BĂŒrger in EU-Staaten an politischen Wahlen auf kommunaler Ebene grundsĂ€tzlich teilnehmen. Bei Eingewanderten der ersten Generation war in der Schweiz im Jahr 2021 die Wahrscheinlichkeit, sich an Wahlen und Abstimmungen zu beteiligen, laut Daten der zum Participation Gap forschenden Politologin Anita Manatschal 10 bis 12 Prozent geringer als bei WĂ€hlern, welche mindestens in dritter Generation ansĂ€ssig waren.cite-ref-169[169]
Das Wahlrecht als BĂŒrgerrecht kann in etlichen Staaten aberkannt werden. So dĂŒrfen Strafgefangene in manchen US-Staaten nicht wĂ€hlen.cite-ref-170[170]
Ein Kinderwahlrecht oder auch Familienwahlrecht von der Geburt an wurde schon im Deutschen Bundestag diskutiert. Im Jahr 2003 beantragten Abgeordnete mehrerer Fraktionen im Deutschen Bundestag âMehr Demokratie wagen durch ein Wahlrecht von Geburt anâ (Bundestagsdrucksache 15/1544). Sie forderten, erfolglos, formal das Wahlrecht fĂŒr Kinder, welches bis zu ihrer VolljĂ€hrigkeit von den Eltern beziehungsweise den Sorgeberechtigten auszuĂŒben sei. In den GrĂŒnden heiĂt es: âWer Kindern und Jugendlichen das Wahlrecht grundsĂ€tzlich weiter vorenthĂ€lt, stellt einerseits die prinzipielle Gleichheit der StaatsbĂŒrger in Frage und leistet andererseits einer Politik Vorschub, die zu einer Verlagerung von Lasten auf die nĂ€chste Generation tendiertâ.
âParteienstaatâ
Die parteienstaatliche Demokratie (in kritischer Absicht auch kurz: der âParteienstaatâ) hat eine strukturbildende Wirkung in der modernen westlichen Demokratie. Er wird gedeutet als Ergebnis eines unumkehrbaren Strukturwandels vom liberal-reprĂ€sentativen parlamentarischen System zur parteienstaatlichen Massendemokratie. Damit geht der Charakter der selbststĂ€ndigen Willensbildung und Entscheidungsfindung im Parlament verloren. Die durch imperatives Mandat an ihre Parteien gebundenen (âFraktionsdisziplinâ) Abgeordneten ratifizieren dort oft nur noch die bereits abseits der Ăffentlichkeit in AusschĂŒssen oder Parteikonferenzen getroffenen Entscheidungen. Der Volks- oder Gemeinwille wird damit vor allem von den politischen Parteien geprĂ€gt. Aus dem Auf- und Ausbau des Parteienstaates erwachse âein Kartell der Parteielitenâ. Die so formierte âpolitische Klasseâ sei nur aus selbstsĂŒchtigen GrĂŒnden, etwa zum fortgesetzten Genuss der eigenen Privilegien, an der Systemerhaltung interessiert. Manfred G. Schmidt relativiert solche Pauschalbeschreibungen der Parteienstaatstheorie: Es fehle an Differenzierung des höchst unterschiedlichen Parteieneinflusses in verschiedenen LĂ€ndern, Politikfeldern und Ebenen der Staatsorganisation. Hinsichtlich der staatlichen Parteienfinanzierung sowie der Alimentierung der Parlamentarier und Minister aus staatlichen Geldern hĂ€tten sich die politischen Parteien in Deutschland vergleichsweise âkomfortabel eingerichtetâ. In Ăsterreich allerdings erweise sich der Parteienstaat, âbestĂ€rkt durch eingespielte Patronagepraxis, Koalitionsschacher und hohe Parteimitgliederdichteâ, als besonders weit ausgebaut. In der Schweiz hingegen sei das Parteienstaatselement viel schwĂ€cher ausgebildet, mitbedingt durch die direktdemokratischen Elemente.cite-ref-171[171]
Lobbyarbeit
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Hauptartikel
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Lobbyismus
Auf die BerĂŒcksichtigung pluraler Interessen ausgerichtete Demokratietypen stehen der Bildung von InteressenverbĂ€nden, die politische Anliegen in organisierter Form artikulieren, offen gegenĂŒber. Wirtschafts- und SozialverbĂ€nde sind in diesem Sinne anerkannte Dialogpartner der politisch Verantwortlichen in Parlamenten und Regierungen. Kritisiert werden finanzielle Zuwendungen an Abgeordnete bis hin zu illegaler Korruption und Bestechung, die Vergabe oder das Vorenthalten von exklusiven Informationen sowie das personelle Eindringen und die Einflussnahme von Verbandsvertretern in Parteien, Parlamenten und Regierungen. Beklagt wird die Nichtbeachtung struktureller Vorteile der Machteliten bei der Durchsetzung ihrer Interessen und umgekehrt die Minder- oder NichtberĂŒcksichtigung der Interessen von Minderprivilegierten und Unorganisierten.cite-ref-172[172]
Neuerdings werden die USA in der Politikanalyse, so A. C. Grayling, mitunter eher als Timokratie der MillionĂ€re angesehen, in der Milliarden fĂŒr Lobbying, politisches Gerangel und âGerrymanderingâ (politische Trickserei um die GröĂe von Wahlbezirken) ausgegeben werden. Beklagt wird beispielsweise auch, dass eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes es MilliardĂ€ren gestattet, WahlkĂ€mpfe auf allen Ebenen unbegrenzt finanziell zu unterstĂŒtzen; politische Ămter werden gekauft und verkauft âwie ein Paar Sockenâ.cite-ref-173[173]
Strukturell bedingte Kurzfristigkeit politischer Planung
Modernen Demokratien wird auch mangelnde planerische Vorausschau nachgesagt, was auf die Taktung der Legislaturperioden zurĂŒckzufĂŒhren ist, die fĂŒr MandatstrĂ€ger zeitlich begrenzte Wirkenshorizonte vorgeben, nach denen sie sich um eine Wiederwahl bewerben mĂŒssen. Speziell kritisiert wird der Umgang mit ökologischen Problemen langfristiger Art. Entscheidungen, die anfangs Umstellungsprobleme bereiten und sich erst auf mittlere oder lange Sicht auszahlen, wĂŒrden deshalb meist nicht getroffen.cite-ref-174[174]
GemÀà der Neuen Politischen Ăkonomie ist Demokratie als ein Markt zu verstehen, in dem die Parteien in ihrer Nachfrage nach WĂ€hlerstimmen verschiedene Angebote machen, aus denen die WĂ€hler rational kalkulierend das den eigenen PrĂ€ferenzen Entsprechende auswĂ€hlen. Der âVolkswilleâ ist in diesem Modell, wie Joseph Schumpeter schrieb, âdas Erzeugnis und nicht die Triebkraft des politischen Prozessesâ.cite-ref-175[175] Um möglichst viele WĂ€hlerstimmen zu akkumulieren, ĂŒberbieten sich die Anbieter mit Versprechungen, die sie nicht halten können, was wiederum die eigene und die LegitimitĂ€t des demokratischen Systems untergrĂ€bt. AuĂerdem neigen sie dazu, Lasten ob nun finanzieller oder ökologischer Natur, auf die Zukunft abzuwĂ€lzen und, wie es bereits bei Tocqueville hieĂ, vorrangig âdie BedĂŒrfnisse des Augenblicksâ zu befriedigen. Dieses rationale, aber kurzsichtige Verhalten lasse, wie Manfred G. Schmidt schreibt, âan der Zukunftsverantwortlichkeit der Demokratie zweifelnâ. Dies gelte auch, wenn die besten Demokratiesysteme dabei besser abschnitten als Autokratien.cite-ref-176[176]
Folgewirkungen des Mehrheitsprinzips
Mehrheitsentscheidungen können zur Benachteiligung von Individuen fĂŒhren, die der Mehrheit nicht angehören. Alexis de Tocqueville sprach in diesem Zusammenhang von âDiktatur der Mehrheitâ.cite-ref-7-177-0[177] Er verwies auf das der Demokratie innewohnende Risiko, sich in Richtung Mediokratie zu entwickeln, weil der Mehrheit âeine unsichtbare Form von Despotismusâ eigne, die den individuellen Willen aufweiche: âDie Volksmehrheit umschlieĂt âDenkenâ in einer furchterregenden UmzĂ€unung. Ein Schriftsteller ist frei, solange er sich innerhalb dieses Rahmens bewegt, aber wehe dem Mann, der ihn verlĂ€sst, nicht dass er Anklagen fĂŒrchten mĂŒsste, aber er muss gewĂ€rtig sein, im Alltag mit allen Formen von Unannehmlichkeiten verfolgt zu werden. Eine Karriere in der Politik ist ihm verschlossen, denn er hat jene einzige Macht beleidigt, die dafĂŒr die SchlĂŒssel in HĂ€nden hĂ€ltâ.cite-ref-178[178] Von der Unvermeidbarkeit der Demokratie war Tocqueville gleichwohl ĂŒberzeugt; folglich solle man die Menschen dazu fĂ€hig machen. Denn Demokratie sei der Welt âzum Schicksal gewordenâ (âun fait providentielâ).cite-ref-179[179]
Die LegitimitĂ€t des Mehrheitsprinzips setzt, so Zippelius, voraus, dass die MenschenwĂŒrde, einschlieĂlich der demokratischen Mitwirkungsrechte, und die Grundrechte der Minderheiten gewahrt bleiben.cite-ref-180[180]
Vermeintlich irrationale und ignorante WĂ€hler
Ăkonomen haben die Effizienz der Demokratie zuweilen kritisiert. Die Kritik basiert auf der Annahme des ignoranten bzw. irrationalen WĂ€hlers. Argumentiert wird, dass WĂ€hler bezĂŒglich vieler politischer Themen, insbesondere ökonomischer, schlecht informiert seien und auch in ihnen besser bekannten Feldern systematischen Verzerrungen unterlĂ€gen. Joseph Schumpeter urteilte diesbezĂŒglich: âSo fĂ€llt der typische BĂŒrger auf eine tiefere Stufe der gedanklichen Leistung, sobald er das politische Gebiet betritt. Er argumentiert und analysiert auf eine Art und Weise, die er innerhalb der SphĂ€re seiner wirklichen Interessen bereitwillig als infantil anerkennen wĂŒrde.âcite-ref-181[181]
Thesen zur VerlĂ€sslichkeit der Aussagekraft unqualifizierter WĂ€hler waren bereits im 18. Jahrhundert bezweifelt worden: Condorcet der französische Philosoph und Mathematiker, wurde mit seinen BemĂŒhungen um Methoden der Volksabstimmung und deren Aussagekraft zum Vater der âSozialwahl -Theorieâ. Sein âJury-Theoremâ befasste sich mit der mathematischen Untersuchung der Beobachtung, dass eine Gruppe von Leuten â allerdings nur unter bestimmten EinschrĂ€nkungen â durch Abstimmen die richtige Antwort auf eine Frage finden kann, obwohl die Einzelnen die Antwort gar nicht wissen.cite-ref-2-182-0[182] (Siehe auch: Condorcet-Paradoxon)
BezĂŒglich Ursachen und Folgen der Ignoranz von WĂ€hlern prĂ€gte Anthony Downs 1957 die Idee der Rationalen Ignoranz. In seinem Modell wĂ€gen WĂ€hler die Kosten und den Nutzen der politischen Informationsbeschaffung und Wahlbeteiligung ab, was wegen vermeintlich fehlenden individuellen Einflusses auf das Gesamtergebnis zu irrationalen politischen Entscheidungen oder auch zum NichtwĂ€hlen fĂŒhre.cite-ref-183[183] Der Ăkonom Donald Wittman (1997) argumentierte dagegen, dass Demokratie effizient sei, solange WĂ€hler rational, Wahlen wettbewerblich, und politische Transaktionskosten gering seien. Mangelnde Information fĂŒhre nicht zu Verzerrungen, da sich unter der PrĂ€misse des rationalen WĂ€hlers Fehler im Durchschnitt ausglichen.cite-ref-184[184]
Zur StĂ€rkung rationaler demokratischer Partizipationsbereitschaft gibt es seitens Bryan Caplan den Ansatz, mehr Entscheidungen aus der öffentlichen in die private SphĂ€re zu verlagern. Robin Hanson schlĂ€gt eine Futarchie vor, in der mehr Entscheidungen auf PrognosemĂ€rkten getroffen werden.cite-ref-185[185] Der Philosoph Jason Brennancite-ref-1-186-0[186] befĂŒrwortet eine moderate Epistokratie, in der das Wahlrecht ausreichend kompetenten BĂŒrgern vorbehalten wird. Der Berliner Publizist Florian Felix Weyh schlĂ€gt in seinem Buch Die letzte Wahl eine Demarchie vor in der die EntscheidungstrĂ€ger nicht mehr durch Wahlen, sondern per Losverfahren bestimmt werden. Ăhnliche VorschlĂ€ge stammen von Burkhard Wehnercite-ref-187[187] und Hubertus Buchstein.cite-ref-188[188]
Philosophische Kritik und WĂŒrdigung
Demokratie-Kritik von philosophischer Seite setzte bei Platon ein, und zwar bezogen auf die Attische Demokratie im antiken Griechenland. Davon zu unterscheiden ist Demokratiekritik von neuzeitlichen Philosophen, wo sie sich auf moderne Demokratietypen bezieht. Nicht selten werden aber kritische Betrachtungen zur antiken Demokratie als Argumente zur EinschÀtzung auch neuerer Demokratieformen herangezogen.
Urteile ĂŒber die antike Demokratie
Platons Haltung zur Demokratie war angelegt in seiner Rolle als SchĂŒler des Sokrates, dem in der Attischen Demokratie der Prozess gemacht und das Todesurteil gesprochen wurde. In der Demokratie, so zitiert der Politologe Grayling Platon, âfordert und beansprucht ⊠jedermann Freiheit und das Recht Gesetze zu machen und zu brechen und ⊠dies bedeutet alsbald Anarchie, denn Freiheit ist nicht einfach nur Freiheit, sondern Erlaubnis der ZĂŒgellosigkeitâ*cite-ref-5-189-0[189]. Platons Kritik an der Demokratie beinhaltet auch einen systembedingt zwingenden Selektionsprozess fĂŒr unqualifizierte Politiker, meint Tom Christiano, und schreibt: âJene, die nur Experten fĂŒr Wahlsiege sind und sonst nichts, werden letztlich die demokratische Politik dominieren. Demokratie neigt dazu, diese Form von Expertise auf Kosten jener zu fördern, die fĂŒr eine adĂ€quate politische FĂŒhrung erforderlich istâ.*cite-ref-190[190]
Der Philosoph Bertrand Russell interpretierte das System des antiken Athen eher als Oligarchie, und relativierte die Bedeutung von deren Wahlrecht.cite-ref-192[191.1] Russell meinte, Demokratie habe stets nur davon leben können, dass versklavte Volksgruppen in ihrer Umgebung den GroĂteil der lebenserhaltenden Arbeit fĂŒr sie erledigen mussten, und zog Parallelen zur britischen Vergangenheit: âDie Zeit des Perikles entspricht in der Geschichte Athens der viktorianischen Zeit in der englischen Geschichte. Damals war Athen reich und mĂ€chtig, hatte wenig unter Kriegen zu leiden und besaĂ eine demokratische Verfassung, die die Aristokraten verwaltetenâcite-ref-193[191.2] und weiter: âBis zum Sturz des Perikles brachten die Fortschritte der Demokratie einen Machtzuwachs fĂŒr die Aristokratie mit sich, wie in England wĂ€hrend des neunzehnten Jahrhunderts.âcite-ref-194[191.3]
EinschÀtzungen zu modernen Demokratieformen
FĂŒr Karl Popper als BegrĂŒnder des Kritischen Rationalismus ging es bei demokratischen Grundlagen nicht so sehr um Herrschaftslegitimation und VolkssouverĂ€nitĂ€t, sondern um eine wirksame Machtbegrenzung und Kontrolle von Regierungen durch eine Gewaltenteilung und die Absetzbarkeit als Folge einer Abwahl der Regierenden. Die VolkssouverĂ€nitĂ€t in Form der Mehrheitsherrschaft sah er eingeschrĂ€nkt durch die Pflicht zum Minderheitenschutz. Die Theorie der Mehrheitsherrschaft mĂŒsse durch die Theorie der Entlassungsgewalt der Mehrheit ersetzt werden. FĂŒr Popper ergab sich als Konsequenz, die Ăberlegenheit des Mehrheitswahlrechts und der Zweiparteiendemokratie gegenĂŒber dem VerhĂ€ltniswahlrecht und der Mehrparteiendemokratie â wĂ€hrend die SouverĂ€nitĂ€ts- und Legitimationstheorien ĂŒblicherweise zu der entgegengesetzten Ansicht neigen.cite-ref-195[192] In seinem Buch Die offene Gesellschaft und ihre Feinde hatte Popper sich bereits ausdrĂŒcklich gegen einen allumfassenden Toleranzbegriff gewandt: âWir mĂŒssten eigentlich im Namen der Toleranz [âŠ] das Recht fordern, Intoleranz nicht zu tolerieren. Wir mĂŒssten verlangen, dass jegliche Bewegung, die Intoleranz predigt, sich auĂerhalb des Gesetzes stellt, und wir mĂŒssten die Anstiftung zur Intoleranz als kriminell verfolgen, auf die gleiche Weise wie Anstiftung zum Mord, zu EntfĂŒhrung oder zur WiedereinfĂŒhrung des Sklavenhandels.âcite-ref-196[193]
Der deutsch-amerikanische Polit-Philosoph und Soziologe Herbert Marcuse schrieb Mitte der 1970er Jahre ernĂŒchtert: âDie regressive Entwicklung der bĂŒrgerlichen Demokratie, der von ihr selbst vollzogene Ăbergang in einen Polizei- und Kriegsstaat, muĂ im Rahmen der globalen US-Politik erörtert werdenâ.cite-ref-198[194.1] âDie konturlosen Massen, die heute die Grundlage der US-amerikanischen Demokratie bilden, sind die Vorboten ihrer konservativ-reaktionĂ€ren wo nicht gar neo-faschistischen Tendenzen. ⊠In freien Wahlen mit allgemeinem Wahlrecht hat das Volk ⊠eine kriegfĂŒhrende Regierung gewĂ€hlt, die seit langen Jahren einen Krieg fĂŒhrt, der eine einzige Reihe beispielloser Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellt â eine Regierung von ReprĂ€sentanten der GroĂkonzerne âŠ, eine von Korruption durchsetzte Regierungâ.cite-ref-199[194.2] Als ErklĂ€rung fĂŒr diese Entwicklung fĂŒhrt Marcuse die Zunahme des Wohlstands an. Und weiter: âDas Schauspiel der Wiederwahl von Nixon ist der albtraumhafte Inbegriff der Epoche, in der die Transformation der bĂŒrgerlichen Demokratie in den Neofaschismus stattfindet âŠâ.cite-ref-200[194.3] âIndem das US-amerikanische System das sinnlich wahrnehmbare >Image<, den >Sex-appeal< einer politischen FĂŒhrungspersönlichkeit so hervorhebt, beherrscht es auf furchtbar effiziente Weise die Tiefendimension befriedigender Selbstunterwerfung âŠâ. Marcuses nĂ€chster Satz, geschrieben 1973, entspricht nahezu einem Kommentar zur Situation in den USA der Jahre seit 2017: âĂbrigens scheint sich der Charakter des >Image< in Ăbereinstimmung mit der zunehmenden HĂ€Ălichkeit des Systems, mit seiner BrutalitĂ€t, mit der Ersetzung der Heuchelei durch offene LĂŒgen und TĂ€uschungen, zu verĂ€ndern. Der PrĂ€sident kann als BoĂ dieses gigantischen Konzerns, zu dem die Nation geworden ist, jetzt Ă€uĂerst hĂ€Ălich sein, muĂ inzwischen keinen Charme und Sex appeal mehr besitzen, sondern vor allem TĂŒchtigkeit und GeschĂ€ftssinnâ.cite-ref-201[194.4]
Julian Nida-RĂŒmelin verbindet Demokratie mit einer âKultur des öffentlichen Vernunftgebrauchsâ, die er derzeit als gefĂ€hrdet ansieht.cite-ref-202[195] Ăhnlich an eine âHochkultur der Vernunftâ gekoppelt, betrachtet Axel Montenbruck die âpolitische Demokratieâ, die mit dem âGrundprinzip einer politischen Dialektikâ zwischen den Extremen einhergehe. Einzubeziehen sei nunmehr auch die âVernunft der Naturâ.cite-ref-203[196]
Otfried Höffe problematisiert die Gegenwartsbezogenheit bzw. -fixiertheit von Demokratien wegen eines zweifach begrenzten Zeithorizonts: In der Tagespolitik bestehe AbhĂ€ngigkeit von Meinungsumfragen, von innen- und auĂenpolitischen Kompromissen und von den immer wieder anstehenden Wahlterminen. Hinzu komme die oft relativ kurze Verweildauer von MandatstrĂ€gern und politisch Verantwortlichen in einflussreichen Positionen und die Schwierigkeit, Zukunftsbelange angemessen zur Geltung zu bringen. Immerhin lasse die zur BĂŒrgergesellschaft offene Demokratie dem BĂŒrgerengagement freien Raum mit der Folge, dass die SensibilitĂ€t fĂŒr Umweltschutz und Generationengerechtigkeit in vielen Demokratien stark gewachsen sei. Demokratien besitzen laut Höffe Ressourcen, ĂŒber die andere politische Systeme nicht oder nicht in gleichem AusmaĂ verfĂŒgen: âDie aufgeklĂ€rt liberale, darĂŒber hinaus partizipative Demokratie erfreut sich eines LegitimitĂ€ts-, eines Wissens- und eines Wirtschaftsvorsprungs sowie zusĂ€tzlich eines kritischen Lernvorsprungs, der die fraglos noch bestehenden Defizite an ZukunftsfĂ€higkeit inskĂŒnftig noch stĂ€rker ausgleichen könnte.âcite-ref-204[197]
Demokratie-GefÀhrdungslagen
Sartori betont in dem Fazit, mit dem er seine demokratietheoretischen Untersuchungen abschlieĂt, dass Demokratie nicht fĂŒr selbstverstĂ€ndlich zu halten sei. Laut Edmund Burke wachse die Sklaverei auf jedem Boden. Die Freiheit, so Sartori, könne man immer verlieren. âSie ist eine Pflanze, die Pflege braucht.âcite-ref-205[198]
Demokratietypen und demokratische Systeme sind nicht nur gemÀà diversen Kriterien qualitativ messbar und von Kritik begleitet, sondern auch VerĂ€nderungen ausgesetzt, die ihre demokratische Grundstruktur gefĂ€hrden oder beseitigen können. Vor allem die Abwendung gröĂerer Teile der jeweiligen BĂŒrgerschaft von demokratischen Werten, Verfahren und Einrichtungen wird zur Bedrohung eines demokratischen Systems im Ganzen und kann eine Transformation zu demokratiewidrigen Herrschaftsformen bewirken. Wichtige GrĂŒnde fĂŒr nachlassende oder fehlende Identifikationsbereitschaft mit demokratischen Strukturen können in der Abgehobenheit politischer Entscheidungsprozesse und der daran Beteiligten sowie in gesellschaftlichen Desintegrations- und Spaltungstendenzen liegen, die den Vorreitern und NutznieĂern populistischer Stimmungsmache den Boden bereiten.
Abgehobenheit politischer Entscheidungen und Diskurse
Der Eindruck unzureichender Beteiligung an politischen Entscheidungen und fehlender eigener InteressenberĂŒcksichtigung kann in einer Mehr-Ebenen-Demokratie, bestehend aus Kommunen, BundeslĂ€ndern, Gesamtstaat, EuropĂ€ischer Union und weiteren internationalen Vertragspartnern, leicht entstehen bzw. erweckt werden. Die jeweiligen Verantwortlichkeiten fĂŒr die Ergebnisse politischen Handelns erscheinen in einem so gearteten Rahmen vielen kaum mehr erkennbar und damit auch nicht zurechenbar und kontrollierbar. Dabei wird der demokratische Prozess von Strukturen transnationalen Regierens ĂŒberlagert, denen es bei kritischer Betrachtung an hinreichender demokratischer Legitimation fehlt.cite-ref-206[199] An den im nationalstaatlichen Rahmen allein nicht mehr handhabbaren Problemen wirken unter anderem internationale Institutionen mit, beispielsweise beim SeerechtsĂŒbereinkommen. Auf internationalen Konferenzen werden Diskussionsforen gebildet und können Vereinbarungen beschlossen werden, die nach der Ratifikation durch die Teilnehmerstaaten internationales Recht darstellen. Von besonderer Bedeutung sind die regelmĂ€Ăig tagenden Organe und Unterorganisationen der Vereinten Nationen. Politisches Handeln entfernt sich dergestalt von der nationalstaatlichen Ebene und ist laut Frevel und Voelzke einer âimmensen Problem- und AkteurskomplexitĂ€tâ ausgesetzt, die erhebliche Herausforderungen fĂŒr die Demokratie mit sich bringe.cite-ref-207[200]
Als Ermöglichungsraum fĂŒr politische Konflikte, die sich fortlaufend wandeln und auch fallweise ĂŒberschneiden, sieht Salzborn den demokratischen Staat. Das KernĂŒbel einer gesellschaftlichen Entpolitisierung verbindet er mit dem Gestaltungsanspruch und Begriff der âAlternativlosigkeitâ. Damit werde signalisiert, dass Entscheidungen nicht mehr im Konflikt erstritten, sondern mit einem allgemeinwohldienlichen Alleinvertretungsanspruch als âalternativlosâ durchgesetzt wĂŒrden, obwohl sie tatsĂ€chlich Partikularinteressen entsprĂ€chen.cite-ref-208[201]
Gesellschaftliche Spaltung
Als Antriebsfaktoren fĂŒr demokratiegefĂ€hrdende gesellschaftliche Spaltungsprozesse gelten vor allem unzureichend berĂŒcksichtigte und bearbeitete soziale Konfliktlagen, wie sie sich zum Beispiel aus einer fortschreitenden Diskrepanz der Einkommens- und Vermögensverteilung zwischen reichen und Ă€rmeren gesellschaftlichen Schichten ergeben oder aus Integrationsdefiziten bei groĂen Zuwandererpopulationen sowie den daraus sich ergebenden Spannungen mit der aufnehmenden Gesellschaft. Die Zuspitzung derartiger gesellschaftlicher Konflikte begĂŒnstigt Wirksamkeit und Erfolg populistischer PolitikansĂ€tze.
Von Eliten dominierte Politik und wachsende Kluft zwischen Armut und Reichtum
Als eine weitere GefĂ€hrdung von Demokratie betrachtet Salzborn eine durch die âĂkonomisierung des Politischenâ sich ergebende âElitisierungâ von Politik. Entscheidungsprozesse wĂŒrden in einen Raum verlagert, in dem nicht-legitimierte Marktakteure Macht ausĂŒbten. Dabei spitze sich eine Entwicklung zu, die in der Demokratie-Entstehung selbst angelegt sei, indem die sich ausbildende bĂŒrgerliche Gesellschaft zur Absicherung ihrer Produktions- und Handelsfreiheit der Garantie einer legitimierten Zentralgewalt und Rechtsordnung bedurfte. Werde aber der Gestaltungsraum des Politischen schrittweise aufgehoben und gerieten öffentliche Aufgaben zu privaten, so verschwinde âim Modus der Elitisierungâ die Wahrnehmung sozialer Ungleichheit, die dann scheinbar zum Privatproblem werde.cite-ref-209[202]
Die Finanzkrisen seit 2008, so VorlĂ€nder, hĂ€tten laut Kritikern gezeigt, dass global agierende Investoren â einerseits Banken und Unternehmen, andererseits supranationale Institutionen wie die Weltbank oder die Welthandelsorganisation â die Welt regierten und dass an die Stelle der Demokratie âdie Herrschaft der freien, deregulierten MĂ€rkte getreten ist.â Die Globalisierung fĂŒhre zu sozialen und ökonomischen Verwerfungen, habe eine wachsende Schere zwischen Arm und Reich zur Folge und schaffe Verlierer, die im politischen System nicht mehr gehört wĂŒrden.cite-ref-210[203]
Am Beispiel der USA beklagt Michael J. Sandel ein in den Bildungs- und Wirtschaftseliten vorherrschendes Ideologem, dem zufolge die eigene Vermögenslage und gesellschaftliche Stellung allein auf eigenem Verdienst beruhten, wĂ€hrend sie tatsĂ€chlich von ungleichen Startchancen, biographischen und marktbedingten ZufĂ€llen sowie den dominierenden Deutungsmustern von gesellschaftlich wertvoller Arbeit mitbestimmt seien. FĂŒr Sandel kĂ€me es zur Ăberwindung der daraus resultierenden GeringschĂ€tzung von akademisch Minderqualifizierten und deren resignativer Verbitterung darauf an, ihr SelbstwertgefĂŒhl durch WertschĂ€tzung ihrer gesellschaftlichen Teilhabe und ihrer Arbeitsleistung fĂŒr das Gemeinwohl zu heben und die nötigen politischen Vorkehrungen zu treffen, damit jede Arbeitsleistung fĂŒr das Gemeinwesen angemessen gewĂŒrdigt wird.cite-ref-211[204]
Ein in gesellschaftlichen Mittel- und Unterschichten verbreitetes GefĂŒhl, dass die Eliten es sich in einer Parallelgesellschaft âdort obenâ auf Kosten der Minderprivilegierten mit allerlei halblegalen und illegalen Machenschaften gut gehen lassen, wurden in der jĂŒngeren Vergangenheit immer wieder befeuert: auf internationaler Ebene etwa durch die Bekanntmachung der Panama Papers und der Paradise Papers, in Deutschland unter anderem durch die Offenlegung von Cum-Ex-GeschĂ€ften.cite-ref-212[205] Der Soziologe Michael Hartmann sieht im Vorgehen der EU-Kommission gegen unerlaubte Finanzbeihilfen von LĂ€ndern wie Luxemburg und Irland fĂŒr international agierende GroĂkonzerne wie Facebook, IKEA oder Google LLC nötige AnsĂ€tze einer Neuorientierung, die auch in der Besteuerung der jeweiligen nationalen Unternehmen und BĂŒrger zur Geltung gebracht werden mĂŒssten. âNur wenn es gelingt, realistische und durchsetzbare Alternativen zur neoliberalen Politik der letzten Jahrzehnte aufzuzeigen, kann man zum einen dem Rechtspopulismus mit seiner simplen GegenĂŒberstellung von Volk und Elite den Wind aus den Segeln nehmen, zum anderen zumindest einen Teil derjenigen wieder vom Sinn politischen Engagements ĂŒberzeugen, die von der Politik enttĂ€uscht sind und ihr ganz generell den RĂŒcken gekehrt haben.âcite-ref-213[206]
Integrationsprobleme und migrantische Parallelgesellschaften
Pluralistische, offene BĂŒrgerkulturen, von denen Demokratien lebten, könnten durch allzu heterogene, nicht mehr integrierbare Teilkulturen in ihrer Existenz gefĂ€hrdet werden, heiĂt es bei VorlĂ€nder. Eine Herausforderung neuerer Art stellten multikulturelle Einwanderergesellschaften dar, âin denen sich unterschiedliche, segmentierte Teilkulturen ĂŒber sprachliche, kulturelle, religiöse, ethnische oder regionale Merkmale ausbilden. Wenn diese Teilkulturen starke eigene IdentitĂ€ten erzeugen, sich von anderen Teilkulturen abgrenzen und Forderungen auf Anerkennung ihrer Differenz in den politischen Raum einbringen, stehen Demokratien vor erheblichen Belastungsproben.âcite-ref-214[207]
In ethnopolitischen Konflikten sieht Salzborn die Gefahr der âEssentialisierungâ des Sozialen mit der Gefahr, âdass auf allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen kulturalisierte Parallelstrukturen geschaffen werden, die zu einer sozialen Segmentierung innerhalb von Gesellschaft fĂŒhren.â Politische und soziale MissstĂ€nde wĂŒrden dabei nicht mehr als solche wahrgenommen und deren Ursachen stattdessen in ethnischen, kulturellen oder geschlechtlichen Differenzen gesucht. Bei solcher Essentialisierung handle es sich um eine Variante der Entpolitisierung, die aber eigene Dynamiken der Entdemokratisierung hervorbringe.cite-ref-215[208]
Wachsender Populismus
In der jĂŒngsten Vergangenheit zeigt sich ein Anwachsen populistischer Bewegungen auch in bereits lĂ€nger bestehenden demokratischen Systemen. Vor allem rechtspopulistische Parteien treten in Europa zunehmend stĂ€rker hervor und haben ihre Stimmenanteile bei Wahlen binnen zehn Jahren nahezu verdreifacht. Mit ihren teils aggressiv formulierten migrationskritischen, fremden- und islamfeindlichen Positionen haben sie, so VorlĂ€nder, zu einer âstarken gesellschaftlichen Polarisierung beigetragen, die die liberalen Demokratien erheblich unter Druck setzen.â WĂ€hrend es in der reprĂ€sentativen Demokratie darum gehe, tragfĂ€hige Kompromisse angesichts der Vielfalt kultureller, sozialer, wirtschaftlicher und politischer Interessen auszuhandeln, handle es sich aus populistischer Sicht bei DiversitĂ€t und Konfliktmanagement um Hindernisse bei der Durchsetzung des âunverfĂ€lschtenâ Volkswillens. âIn letzter Konsequenz untergraben Populismen dann die Institutionen und schwĂ€chen das Vertrauen in die reprĂ€sentative Demokratie.âcite-ref-216[209]
Echte oder vermeintliche Modernisierungsverlierer bilden laut Frevel und Voelzke oft den Resonanzkörper fĂŒr Populismus.cite-ref-217[210] Dessen funktionale Rolle besteht fĂŒr Salzborn darin, ein politisches Alternativmodell anzubieten, das zentrale Elemente des Demokratischen aufhebt: den politischen Pluralismus, die gesellschaftliche HeterogenitĂ€t und die konflikthaften Interessenstrukturen. Rechtspopulistischen Parteien gehe es gar nicht um den realen Willen des Volkes, sondern âum den unterstellten (und erlogenen) Volkswillenâ, letztlich um das, was Rechte zum Volkswillen erklĂ€ren: âihre eigene völkische Weltsicht.âcite-ref-218[211]
Politik-Beschleunigung und -Manipulation im Internet-Zeitalter
Das Internet erzeugt laut Salzborn durch scheinbare Echtzeithandlungen eine Beschleunigung der Politik, bei der nicht intensiv diskutiert und abgewogen, sondern schnell entschieden werde. Der Verstand rĂŒcke zugunsten des Affekts in den Hintergrund; Empörung prĂ€ge die politischen Debatten und degradiere sie zu emotionalen Bekenntnissen. Salzborn konstatiert, Reinhard Mohr zitierend, eine tiefgreifende VerĂ€nderung der politischen Prozesse. âDie Halbwertzeit von Ăberzeugungen, Stimmungen, politischen Konstellationen reduziert sich stĂŒndlich.â Die Gefahr fĂŒr die Demokratie bestehe einerseits darin, dass Scheinwissen zu sachlich falschen Entscheidungen fĂŒhren könne und zudem darin, dass âin einem fortwĂ€hrend beschleunigten emotionalen Prozessâ die AbwĂ€gung von konkurrierenden Interessen und der Dialog ĂŒber unterschiedliche Positionen nicht mehr möglich sei. âDamit wird demokratische Politik durch affektive Meinungsmache ersetzt.âcite-ref-219[212] Eine neue Form der Bedrohung demokratisch-fairer WahlkĂ€mpfe und WahlausgĂ€nge liegt in der zielgerichteten, massenhaften Streuung von Fake News.
In den sozialen Medien gibt es Gruppen und Netzwerke, die sich ĂŒber Politik und politisches Personal oft anonym in verĂ€chtlichtlicher Weise Ă€uĂern und andere Individuen und Gruppen mit Hass und Hetze ĂŒberziehen. Solche Gruppierungen bilden intern Filterblasen, in denen bestimmte Meinungen und Vorstellungen sich verfestigen und als alleinige Wahrheiten gelten. Auf diese Weise bilden sich viele Teilöffentlichkeiten, die kaum mehr wechselseitig ins GesprĂ€ch kommen und deshalb in politischen Meinungs- und Entscheidungsprozessen schwerlich zusammengefĂŒhrt werden können. WĂ€hrend digitale soziale Netzwerke einerseits Chancen zu schneller und wirksamer Mobilisierung von BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern bieten, können Blogs und Tweets andererseits demagogisch wirken. Social Bots gefĂ€hrden unter UmstĂ€nden den öffentlichen Meinungsbildungsprozess und verfĂ€lschen gegebenenfalls die LegitimitĂ€t demokratischer Wahlverfahren.cite-ref-220[213] Diese gefĂ€hrlichen zivilgesellschaftlichen Folgen des Missbrauchs sozialer Medien wĂŒrden unterdessen erkannt, so Michael J. Sandel. Weniger offensichtlich sei die Zersetzung der individuellen Aufmerksamkeitsspanne. âWenn man unsere Aufmerksamkeit in Beschlag nimmt, unsere persönlichen Daten abgreift und sie an Werbefirmen verkauft, dann bedroht das nicht nur unsere PrivatsphĂ€re; es untergrĂ€bt auch die geduldige, aufmerksame Einstellung gegenĂŒber der Welt, die fĂŒr demokratische Beratungen notwendig ist.âcite-ref-221[214]
Da in sozialen Medien kurze, prĂ€gnante, negative Botschaften besondere Aufmerksamkeit erregten, so Henrik MĂŒller, sei es leicht geworden, Geplantes zu verhindern, aber sehr schwer, Politik zu gestalten. Netzaktivisten schöpften aus dem gleichen Potenzial wie populistische Politiker: âNegativismus, Vereinfachung, Feindbildzentrierung, Underdog-Perspektive â und alles mit einprĂ€gsamen Bildern garniert.â FĂŒr MĂŒller handelt es sich dabei um charakteristische Merkmale eines Populismus von unten. Der öffentliche Diskurs im Social-Media-Zeitalter sei âdurchzogen von Polarisierungen, Herdentrieben und erratischen Wendenâ. Konsens und Kompromiss kĂ€men kaum mehr zum Tragen. Individuen wie auch ganze Gesellschaften wĂŒrden emotionalisiert und auf Wut konditioniert. Das Abhandenkommen des Respekts vor der Wahrheit und eines Austauschs von Argumenten werfe aber die Frage auf, wie eine auf geordnete KommunikationsrĂ€ume angewiesene Demokratie und eine freiheitliche Gesellschaftsordnung aufrechtzuerhalten seien.cite-ref-222[215]
Ein eigenes DemokratiegefĂ€hrdungspotenzial sieht Marcus S. Kleiner in den Streaming-Diensten und ihrer gesellschaftlichen Wirkung. Kleiner verweist auf die viel zitierte Formel Neil Postmans âWir amĂŒsieren uns zu Todeâ, die Postman 1985 gegen das allein auf Zuschauerunterhaltung zielende US-Fernsehen gemĂŒnzt hatte. Demnach war das auf BuchlektĂŒre, Dialog und Diskussion gegrĂŒndete âZeitalter der Erörterungâ seinerzeit abgelöst worden durch ein âZeitalter des Showbusinessâ.cite-ref-223[216] Auf einem âselbstbestimmten Weg in die EntmĂŒndigungâ sieht Kleiner heutzutage die Nutzer der Streaming-Dienste. Aus der lĂŒckenlosen Ăberwachung der individuellen Streaming-AktivitĂ€ten ergebe sich ein Empfehlungsmanagement, bei dem die Streaming-Dienste âfĂŒr uns entscheiden, was uns gefĂ€lltâ. Ergebnis dieser Ăberwachung sei ein personalisiertes Streaming-Angebot, das Nutzerin und Nutzer nur noch um sich selbst kreisen lasse und deren Blick auf die Welt verenge. âEin ungehinderter und unregulierter Streaming-Kapitalismus produziert Konsumnarren.â Die bislang hauptsĂ€chlich auf Google LLC und Facebook gerichtete Kritik am digitalen Ăberwachungskapitalismus sei nicht minder auf die On-Demand-Streaming-Dienste zu beziehen. Kleiner zitiert den US-Soziologen Richard Sennett, der einen âKonsumenten-Zuschauer-BĂŒrgerâ beschreibt, der seine Freiheit eintausche gegen Konsum und digitale Komfortzonen.cite-ref-224[217]
Postdemokratie
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Hauptartikel
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Postdemokratie
Im Anschluss an eine Begriffsbildung von Jacques RanciĂšre aus dem Jahr 2002 kritisieren Colin Crouch und andere Sozialwissenschaftler, dass der neoliberale Umbau der westlichen Gesellschaften die dort eigentlich herrschende Demokratie ausgehöhlt und in eine bloĂe âPostdemokratieâ verwandelt habe: Zwar wĂŒrden weiterhin Wahlen abgehalten, auch seien andere formale Demokratiemerkmale vorhanden, doch sei es dem Volk als eigentlichem SouverĂ€n nicht mehr möglich, wesentlich auf die Sozial- und Wirtschaftsordnung Einfluss zu nehmen. Die âsozialstaatlichen BĂŒrgerdemokratieâ sei von einer âmarktkonformen Fassadendemokratieâ abgelöst worden, in der die eigentliche Macht bei einem Milieu nach unten abgeschotteter globaler Eliten liege, das sich nahezu ausschlieĂlich aus sich selbst reproduziere. Der öffentliche Diskurs sei entpolitisiert, Entscheidungen wĂŒrden nicht mehr in Form mehrerer vorgeschlagener Optionen zur Diskussion gestellt, sondern als alternativlos bzw. als oft ökonomisch begrĂŒndete SachzwĂ€nge hingestellt.cite-ref-225[218]
International schwankendes Demokratie-Erscheinungsbild
Ein Bild von Demokratie in Gefahr zeichnet Vanessa A. Boese in vergleichender Betrachtung der jĂŒngeren politischen Entwicklungen auf internationaler Ebene. Die Erosion demokratischer Normen, die zunehmende Macht der Exekutiven sowie abnehmende Medienfreiheit seien weltweite Symptome einer dritten Welle der Autokratisierung.cite-ref-226[219]
In geschlossene Autokratien ĂŒben ein Einzelner oder eine Gruppe unkontrolliert Macht aus: Dabei handle es sich also um klassische Diktaturen. Eine elektorale Autokratie enthalte im Gegensatz dazu teilweise demokratische Elemente. Beispielsweise gebe es in solchen LĂ€ndern zwar laut Gesetz Wahlen, diese seien aber in der RealitĂ€t weder frei noch fair. (Als âfairâ werden Wahlen unter anderem dann bezeichnet, wenn sich alle Parteien in einem fairen Wettbewerb miteinander befinden und politische Wettbewerber nicht systematisch von den Amtsinhabern bedroht oder sogar de facto an einer Wahlteilnahme gehindert werden.) Die beiden demokratischen Regierungsformen gemÀà Schema zeichneten sich ihrerseits durch Wahlen aus, in denen mehr als eine Partei frei und fair gewĂ€hlt werden könne. Im Falle der elektoralen Demokratien seien jedoch erhebliche QualitĂ€tsabstriche gegenĂŒber liberalen Demokratien zu machen: Zwar gebe es in elektoralen Demokratien auch freie und faire Wahlen; doch sei beispielsweise die Gewaltenteilung nicht vollstĂ€ndig ausgeprĂ€gt, sodass etwa das Staatsoberhaupt nur einer schwachen oder gar keiner Kontrolle durch die Judikative oder das Parlament unterliege.cite-ref-228[221]
Besorgniserregend findet Boese, dass sich die Anzahl der LĂ€nder (und damit auch der Bevölkerungsanteil) in den beiden mittleren Kategorien â der elektoralen Autokratie und der elektoralen Demokratie â seit Ende des Kalten Krieges stetig vergröĂert hat. Empirisch unterlegt sei, dass die LĂ€nder zwischen harter Autokratie auf der einen und konsolidierter Demokratie auf der anderen Seite anfĂ€lliger fĂŒr politische InstabilitĂ€ten und gesellschaftliche Konflikte seien. Ihre hĂ€ufig relativ junge institutionelle Basis befinde sich in fortlaufenden Wandlungsprozessen, âwas sie anfĂ€lliger fĂŒr politische Destabilisierung macht.âcite-ref-229[222]
Dennoch ist nach Boeses Auffassung die Demokratie die beste Option zur Anpassung an die aktuellen Herausforderungen. Mit ihr stĂ€nden friedliche Mechanismen zur VerfĂŒgung, âum Konflikte zu lösen, Machtwechsel zu organisieren, marginalisierte Gruppen zu integrieren und die Macht destruktiver Autokraten zu begrenzen.âcite-ref-230[223]
GlobalisierungseinflĂŒsse und Reflexionen ĂŒber eine globale Demokratie
Ein tiefgreifender wirtschaftspolitischer Umschwung mit destabilisierenden Folgen fĂŒr die Demokratisierungssysteme wurde aus der Sicht von Christian Lammert und Boris Vormann in den 1980er und 1990er Jahren beiderseits des Atlantiks bewirkt. Mit dem Ziel der InflationsbekĂ€mpfung und Preisstabilisierung seien sozialstaatliche Programme gekĂŒrzt, die âSchleusen des internationalen Handelsâ geöffnet und die FinanzmĂ€rkte liberalisiert worden. Damit seien Unternehmen in die Lage versetzt worden, ĂŒber die Grenzen des Nationalstaats und der nationalen Rechenschaftspflicht hinauszuwachsen. âDer Kompromiss zwischen Staat, Kapital und Arbeitern, auf dem noch die groĂen Versprechen der Nachkriegszeit auf wirtschaftlichen Aufstieg und Wohlstand fuĂten, wurde aufgebrochen.â Mit dem Ăbergreifen der US-Bankenkrise 2008 auf die âmaĂlos ĂŒberhebelten FinanzhĂ€userâ in Europa, so die beiden Politikwissenschaftler, wurde aus der schleichenden eine galoppierende Krise, âdie den Kontinent entlang nationalstaatlicher Grenzen spaltete und die Bevölkerungen und staatlichen Akteure aufwiegelte.â Dazu seien 2015 noch die FlĂŒchtlingsströme aus Syrien und Nordafrika gekommen und hĂ€tten zur Folge gehabt, dass die Kritik am Wirtschaftsliberalismus in eine Kritik an den politischen Werten der liberalen Demokratie umgeschlagen sei. âPlötzlich war der Multikulturalismus das Ăbel fĂŒr alle gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten.âcite-ref-231[224]
FĂŒr Lammert und Vormann folgt aus den genannten Krisenerscheinungen, dass angesichts der globalen Integration von MĂ€rkten im 21. Jahrhundert ein neuer sozialer Pakt zur Demokratiestabilisierung aufgelegt werden muss, der fĂŒr eine gerechtere Verteilung der Gewinne aus der Globalisierung sorgt. DafĂŒr benötigt werde eine neue politische Institutionenlandschaft, angepasst an die Bedingungen globaler Produktions- und Konsumptionsnetzwerke.cite-ref-232[225] FĂŒr Michael J. Sandel kann die zur Auseinandersetzung mit den globalen MarktkrĂ€ften notwendige Macht nur mit einer Herrschaft einhergehen, die SouverĂ€nitĂ€t sowohl nach oben als auch nach unten verteilt und ein öffentliches Leben fördert, âdas die durchdachte LoyalitĂ€t seiner BĂŒrger zu erwecken hofftâ, nachdem es den Nationalstaaten im Wirkungsfeld der globalen Wirtschaft und innergesellschaftlicher Spaltungstendenzen an der LoyalitĂ€t ihrer BĂŒrger zu fehlen begonnen habe. Heutzutage erfordere Selbstbestimmung eine Politik, die sich âin einer Vielfalt von SchauplĂ€tzen abspielt â von Stadtvierteln ĂŒber Nationen bis zur ganzen Welt.âcite-ref-233[226]
Auf die Idee einer globalen Demokratie, mit und in der allein man demokratischen Werten wirklich gerecht werden könnte, geht Rinderle ein. Nur so wĂŒrde laut BefĂŒrwortern eine weltweite Legitimation von politischen Entscheidungen möglich, die in ihren Auswirkungen alle Menschen betreffen. Umsetzungsmodell auf institutioneller Ebene wĂ€re ein Weltstaat mit einem Weltparlament, in das alle existierenden Einzelstaaten Delegierte entsenden wĂŒrden, und mit einer die Ă€uĂere SouverĂ€nitĂ€t der Einzelstaaten beschrĂ€nkenden Weltregierung. Ein anderes Modell sieht die vollstĂ€ndige Abschaffung von Einzelstaaten vor â mit der ganzen Menschheit als Volk eines demokratisch organisierten Weltstaats. In einer Mischform aus beiden Modellen schlieĂlich könnte es neben einem Weltparlament eine Staatenkammer als Beschlussorgan geben.cite-ref-234[227] Gegen eine globale Demokratie spricht aus Rinderles Sicht vor allem, dass ein Weltstaat zur Despotie werden und dass die individuelle Freiheit darin untergehen könnte. Zudem erscheine es fraglich, ob nicht eine grundlegende UnvertrĂ€glichkeit bestehe zwischen der Idee einer globalen Demokratie und der WertschĂ€tzung von kultureller DiversitĂ€t.cite-ref-235[228]
Lammert und Vormann plĂ€dieren angesichts globaler Probleme wie Klimakrise, Terrorismus und zunehmenden sozialen Ungleichheiten fĂŒr einen globalen Föderalismus. DafĂŒr bedĂŒrfe es nicht des âSchreckgespenstesâ eines Weltstaats. Nicht alles mĂŒsse auf globaler Ebene verhandelt und legitimiert werden. Horizontale Kooperationsachsen könnten auf bestehende Partnerschaften aufbauen. Doch auch in vertikalen Kooperationsachsen könnten politische Prozesse wieder an Legitimation gewinnen. Entscheidend dafĂŒr sei die Anwendung des SubsidiaritĂ€tsprinzips: Was auf niedrigeren Organisationsebenen behandelt werden kann, solle dort auch geregelt werden. Zudem bedĂŒrfe es der Querfinanzierung zwischen reichen und strukturarmen Regionen und einer Internalisierung der Globalisierungskosten, die nicht auf die Allgemeinheit und ihre schwĂ€chsten Mitglieder abgewĂ€lzt werden dĂŒrften, sondern von den globalen Akteuren und Profiteuren bei internationalen Unternehmen oder in der Finanzbranche getragen werden mĂŒssten. Eine Demokratisierung steht fĂŒr Lammert und Vormann auch im veralteten InstitutionengefĂŒge der Vereinten Nationen an, damit globale Probleme und Schieflagen in den Griff zu bekommen wĂ€ren, beispielsweise durch eine Reform des UN-Sicherheitsrats.cite-ref-236[229]
Siehe auch
âą Demokratismus
âą Synkratie
âą Wertedemokratie
âą Liste aller Wikipedia-Artikel, deren Titel mit Demokratie beginnt
⹠Liste aller Wikipedia-Artikel, deren Titel Demokratie enthÀlt
Literatur
âą Hubertus Buchstein, Kerstin Pohl, Rieke Trimçev (Hrsg.): Demokratietheorien â von der Antike bis zur Gegenwart. Texte und Interpretationshilfen. EinfĂŒhrung. 10. vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete Auflage. Wochenschau Verlag, Frankfurt/M. 2021, ISBN 978-3-7344-1239-4 (Erstausgabe: 2004).
âą Paul Cartledge: Democracy. A Life. Oxford University Press, Oxford 2016.
âą Luciano Canfora: Eine kurze Geschichte der Demokratie. Von Athen bis zur EuropĂ€ischen Union. Papyrossa, Köln 2006, ISBN 3-89438-350-X (italienisch: La democrazia. Storia di un'ideologia. Ăbersetzt von Rita SeuĂ).
âą Werner Conze, Reinhart Koselleck, Hans Maier, Christian Meier, Hans Leo Reimann: Demokratie. In: Otto Brunner, Werner Conze, Reinhart Koselleck (Hrsg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Band 1. Klett-Cotta, Stuttgart 1972, ISBN 3-12-903850-7, S. 821â899.
âą Robert Alan Dahl: On Democracy. Yale University Press, New Haven/London 2000, ISBN 0-300-08455-2.
⹠Georg Eckert/Thorsten Beigel: Geschichte der Demokratie (= UTB, Bd. 5932). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8252-5932-7.
âą Bernhard Frevel, Nils Voelzke: Demokratie. Entwicklung â Gestaltung â Herausforderungen. Lehrbuch. 3., ĂŒberarbeitete Auflage. Springer VS, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-16867-4 (Erstausgabe: 2004).
âą David Held: Models of Democracy. 3. Auflage. Polity Press, Cambridge/Malden 2006, ISBN 0-7456-3146-0 (Erstausgabe: 1986).
⹠Michael Hartmann: Die Abgehobenen. Wie die Eliten die Demokratie gefÀhrden. Campus Verlag, Frankfurt am Main/New York 2018, ISBN 978-3-593-50928-0.
âą Otfried Höffe: Ist die Demokratie zukunftsfĂ€hig? Ăber moderne Politik. C. H. Beck, MĂŒnchen 2009, ISBN 978-3-406-58717-7.
âą John Keane: The Life and Death of Democracy. W. W. Norton & Co., New York 2009.
âą Maria Kreiner: Demokratie als Idee. Eine EinfĂŒhrung (= UTB. Band 3883). UVK/UTB, Konstanz/MĂŒnchen 2013, ISBN 978-3-8252-3883-4.
âą Christian Lammert, Boris Vormann: Die Krise der Demokratie und wie wir sie ĂŒberwinden. Aufbau Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-351-03697-3.
âą Stefan Marschall: Demokratie. Opladen und Toronto 2014.
âą Oliver FlĂŒgel-Martinsen, Reinhard Heil, Andreas Hetzel: Die RĂŒckkehr des Politischen. Demokratietheorien heute. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-17435-6. (Leseprobe)
âą Karl Mittermaier, Meinhard Mair: Demokratie. Die Geschichte einer politischen Idee von Platon bis heute. WBG, Darmstadt 2013, ISBN 978-3-534-80181-7.
âą Axel Montenbruck: Politische Demokratie â zwischen gefĂŒhligem Populismus und ethischem Humanismus, zwischen Schwarmintelligenz und Hackschutzordnung, zwischen Systemerhalt und Disruption, zwischen Land und Stadt; Wesen und Reform der Mitte, 2023, - Schriftenreihe: Natur und Recht, Politik, Ethik, Band IV, Open Access der Freien UniversitĂ€t Berlin, ISBN Online: 978-3-96110-447-5, ISBN Print: 978-3-9, (online)
âą Julian Nida-RĂŒmelin: Die gefĂ€hrdete RationalitĂ€t der Demokratie: Ein politischer Traktat, Edition Körber (Hamburg) 2020. A
âą Paul Nolte: Was ist Demokratie? Geschichte und Gegenwart (= Beckâsche Reihe. Band 6028). C. H. Beck, MĂŒnchen 2012, ISBN 978-3-406-63028-6.
âą Hartmut Rosa: Demokratie braucht Religion. Mit Vorwort von Gregor Gysi, Kösel Verlag, MĂŒnchen 2022, ISBN 978-3-466-37303-1.
âą Peter Rinderle: Demokratie. De Gruyter Verlag, Berlin und Boston 2015, ISBN 978-3-11-039936-3.
âą Pierre Rosanvallon: Demokratische LegitimitĂ€t. Unparteilichkeit â ReflexivitĂ€t â NĂ€he. Aus dem Französischen von Thomas Laugstien. Hamburger Edition, Hamburg 2010, ISBN 978-3-86854-215-8.
âą Richard Saage: Demokratietheorien. Historischer Prozess â Theoretische Entwicklung â Soziotechnische Bedingungen. Eine EinfĂŒhrung. Mit einleitendem Essay von Walter Euchner: Zur Notwendigkeit einer Ideengeschichte der Demokratie. Wiesbaden 2005, ISBN 3-531-14722-6.
âą Samuel Salzborn: Demokratie. Theorien â Formen â Entwicklungen. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage, Nomos, Baden-Baden 2021, ISBN 978-3-8487-8296-3.
âą Giovanni Sartori: Demokratietheorie. Hrsg.: Rudolf Wildenmann. 3. Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006, ISBN 978-3-534-19609-8 (englisch: The theory of democracy revisited. 1987.).
âą Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine EinfĂŒhrung. 6. Auflage, Springer VS, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-658-25839-9.
âą Stefan Scholl: Demokratie. In: Ernst MĂŒller, Barbara Picht, Falko Schmieder (Hrsg.): Das 20. Jahrhundert in Grundbegriffen. Lexikon zur historischen Semantik in Deutschland. Schwabe Verlag, Basel/Berlin 2024ff. (Artikel werden fortlaufend online publiziert)
âą Hans VorlĂ€nder: Demokratie. Geschichte, Formen, Theorien (= Beckâsche Reihe. Band 2311). 4. Auflage. C. H. Beck, MĂŒnchen 2020, ISBN 978-3-406-73816-6 (Erstausgabe: 2003).
Weblinks
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â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
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â Quellen und Volltexte
âą Literatur zum Schlagwort Demokratie im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą Internationale Psychoanalytische Vereinigung (2022): Brutale Angriffe auf die Demokratie auf der ganzen Welt
EnzyklopÀdien
âą Stefan Scholl: Demokratie in: Ernst MĂŒller, Barbara Picht, Falko Schmieder (Hg.): Das 20. Jahrhundert in Grundbegriffen. Lexikon zur historischen Semantik in Deutschland, Schwabe Verlag Basel, Berlin
âą Lars Lambrecht: Demokratie (PDF; 116 kB). In: H. J. SandkĂŒhler (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Philosophie. Hamburg 1999.
âą Eintrag in Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.Vorlage:SEP/Wartung/Parameter 1 und weder Parameter 2 noch Parameter 3
âą Andreas Suter, Georg Kreis: Demokratie. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Staatliche Informationen
âą Demokratie. (PDF) Informationen zur politischen Bildung. In: Heft 332. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 2017, S. 84, abgerufen am 6. Juni 2019.
âą 10 questions about democracy. (Videos) Zehn Fragen zu Demokratie. In: Portal. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, abgerufen am 6. Juni 2019 (Kurzfilme der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung zum Thema Demokratie).
âą Demokratie auf politische-bildung.de der Landeszentralen fĂŒr politische Bildung
Ausblicke
âą Demokratie verstehen auf dem UNESCO Bildungsserver
âą Catrin Stövesand: Zwei Handlungsanleitungen fĂŒr wehrhafte Demokraten, Andruck â Das Magazin fĂŒr Politische Literatur. Deutschlandfunk, 24. April 2017
⹠Althistoriker Christian Meier im GesprÀch mit Winfried StrÀter: Was unsere Demokratie von den alten Griechen lernen kann auf Deutschlandfunk Kultur. Zeitfragen im GesprÀch vom 1. Januar 2020
Anmerkungen
cite-note-11. â Lincoln griff dabei auf eine Formulierung Thomas Paines zurĂŒck. Hans VorlĂ€nder: Demokratie. Geschichte, Form, Theorien. 4. Aufl., C.H. Beck, MĂŒnchen 2020, ISBN 978-3-7425-0519-4, S. 9.
cite-note-22. â Giovanni Sartori: Demokratietheorie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1997, S. 40.
cite-note-shell-110-33. â Kurt L. Shell: Demokratie. In: Everhard Holtmann: Politik-Lexikon. 3. Auflage, Oldenbourg, MĂŒnchen 2000, ISBN 978-3-486-79886-9, S. 110â113, hier S. 110.
cite-note-44. â Giovanni Sartori: Demokratietheorie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1997, S. 274.
cite-note-sartori209-55. â Giovanni Sartori: Demokratietheorie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1992, ISBN 978-3-534-11493-1, 7. Was Demokratie nicht ist, 7.5 Diktatur und Autokratie, S. 209 f.
cite-note-66. â Samuel Salzborn: Demokratie. Theorien â Formen â Entwicklungen. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage, Nomos, Baden-Baden 2021, ISBN 978-3-8487-8296-3, S. 7 f.
cite-note-77. â Das Herkunftswörterbuch. In: Duden. 6. Auflage. Band 7. Bibliographisches Institut, Berlin 2020, ISBN 978-3-411-04076-6, Eintrag âDemokratieâ.
cite-note-88. â Philipp Dingeldey, Dirk Jörke: Demokratie. In: Brigitta Schmidt-Lauber, Manuel Liebig (Hrsg.): Begriffe der Gegenwart. Ein kulturwissenschaftliches Glossar. Böhlau, Wien 2022, S. 49â55, hier S. 50.
cite-note-99. â Hans VorlĂ€nder: Demokratie. Geschichte, Form, Theorien. 4. Aufl., C.H. Beck, MĂŒnchen 2020, S. 13. Der Althistoriker Christian Meier setzt wie auch andere die Herstellung der attischen Demokratie mit und nach der Entmachtung des Areopags im Jahr 461 v. Chr. an.
cite-note-1010. â Giovanni Sartori: Demokratietheorie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1997, S. 29 f.
cite-note-1111. â Historien des Herodot 3, 80.
cite-note-bienhwph50-1212. â GĂŒnther Bien: D-F. In: Joachim Ritter (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie (HWPH). 2. Auflage. Band 2. Schwabe, Basel 2021, ISBN 978-3-7965-4487-3, Demokratie, Sp. 50, doi:10.24894/HWPh.5086.
cite-note-1313. â Johann Caspar Bluntschli, Karl Brater: Belgien-Deutscher König. Lexikon. In: Deutsches Staats-Wörterbuch. Band 2. Expedition des Staats-Wörterbuch, Stuttgart, Leipzig 1857, OCLC 963958116, Demokratie, S. 698 (Otanes, bei Herodot III. 80â82).
cite-note-1414. â Zur antiken Begriffsentwicklung vgl. Christian Meier: Demokratie I. In: Otto Brunner, Werner Conze, Reinhart Koselleck (Hrsg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Band 1, Stuttgart 1972, S. 821 ff.; Christian Meier: Die Entstehung des Politischen bei den Griechen. Frankfurt am Main 1980, S. 281 ff.
cite-note-1515. â Herfried MĂŒnkler, Marcus Llanque: Demokratie. In: Der Neue Pauly, Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte, Band 13: AâFo. J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar 1999, ISBN 3-476-01483-5, S. 721â731, hier S. 721 f.
cite-note-1616. â Hans Maier: DâF. In: Joachim Ritter (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie (HWPH). Band 2. Schwabe, Basel 1972, ISBN 978-3-7965-4487-3, Demokratie, Sp. 51â54.
cite-note-1717. â James Madison: The Federalist No. 10 â The Same Subject Continued. In: Alexander Hamilton, James Madison und John Jay (Hrsg.): Federalist Papers. Nr. 10. New York Packet (hier: First complete edition by Henry B. Dawson, 1863), New York City 23. November 1787, OCLC 1925243, S. 58 (englisch, Volltext [Wikisource] [abgerufen am 22. Mai 2022]): âThe two great points of difference between a democracy and a republic are: first, the delegation of the government, in the latter, to a small number of citizens elected by the rest; secondly, the greater number of citizens, and greater sphere of country, over which the latter may be extended.â
cite-note-1818. â Hans VorlĂ€nder: Demokratie. 4. Aufl., C.H. Beck 2020, S. 47.
cite-note-1919. â Herfried MĂŒnkler, Marcus Llanque: Demokratie. In: Der Neue Pauly, Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte, Band 13, J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar 1999, S. 721â731, hier S. 721 f.
cite-note-2020. â Hans Maier: DâF. In: Joachim Ritter (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie (HWPH). Band 2. Schwabe, Basel 1972, ISBN 978-3-7965-4487-3, Demokratie, Sp. 53.
cite-note-2121. â Zitiert nach Giovanni Sartori: Demokratietheorie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1992, ISBN 978-3-534-11493-1, 1, Kann Demokratie einfach alles und jedes sein?, S. 11 (englisch: The theory of democracy revisited. 1987. Ăbersetzt von Hermann Vetter). Zitat im französischen Original: Alexis de Tocqueville, Mary de Tocqueville: MĂ©langes, fragments historiques et notes. In: Ćuvres complĂštes d'Alexis de Tocqueville. Band 8. Michel LĂ©vy frĂšres, Paris 1865, OCLC 489681089, Notes et pensĂ©es relatives a un ouvrages sur la RĂ©volution, dont le titre nâĂȘtait pas encore arrĂȘtĂ©. AssemblĂ©e constituante. JournĂ©es des 5 et 6 octobre 1789., S. 184 (französisch, Hervorhebung Zitat gemÀà Original): « Ce qui jette le plus de confusion dans lâesprit, câest lâemploi quâon fait de ces mots: dĂ©mocratrie, gouvernement dĂ©mocratique. Tant quâon nâarrivera pas Ă les dĂ©finir clairement et Ă sâentendre sur la dĂ©finition, on vivra dans une confusion dâidĂ©es inextricables, au grand avantage des dĂ©magogues et des despotes. »
cite-note-2323. â Waldemar Besson, Gotthard Jasper: Das Leitbild der modernen Demokratie: Bausteine einer freiheitlichen Staatsordnung. Verlag J.H.W. Dietz Nachf. Bonn; von Gotthard Jasper ĂŒberarbeitete und aktualisierte Neuausgabe 1991, S. 10.
cite-note-2424. â Samuel Salzborn: Demokratie. Theorien â Formen â Entwicklungen. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage, Nomos, Baden-Baden 2021, S. 137 f.
cite-note-2525. â Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine EinfĂŒhrung. 6. Auflage, Springer VS, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-658-25839-9, S. 2.
cite-note-2626. â Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine EinfĂŒhrung. 6. Auflage, Springer VS, Wiesbaden 2010, S. 151.
cite-note-2727. â Giovanni Sartori: Demokratietheorie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1997, S. 39 und 175.
cite-note-2828. â Samuel Salzborn: Demokratie. Theorien â Formen â Entwicklungen. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage, Nomos, Baden-Baden 2021, S. 89.
cite-note-2929. â Manfred G. Schmidt, 5. Auflage 2010, S. 212â214.
cite-note-3030. â Giovanni Sartori: Demokratietheorie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1997, S. 175 und 179 f.
cite-note-3131. â Giovanni Sartori: Demokratietheorie. Darmstadt 1997, S. 465.
cite-note-3232. â George Orwell: Politics and the English Language (1957), zitiert bei Giovanni Sartori: Demokratietheorie. Darmstadt 1997, S. 12.
cite-note-3333. â Philip Dingeldey, Dirk Jörke: Demokratie. In: Brigitta Schmidt-Lauber, Manuel Liebig (Hrsg.): Begriffe der Gegenwart. Ein kulturwissenschaftliches Glossar. Böhlau, Wien 2022, S. 49â55, hier S. 49 ff.
cite-note-3434. â Samuel Salzborn: Demokratie. Theorien â Formen â Entwicklungen. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage, Nomos, Baden-Baden 2021, ISBN 3-8487-8296-0, S. 15 f.
cite-note-3535. â Samuel Salzborn: Demokratie. Theorien â Formen â Entwicklungen. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage, Nomos, Baden-Baden 2021, S. 17 f.
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cite-note-3838. â Marschall 2014, S. 24.
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cite-note-4040. â Christian Meier: Die Entstehung des Begriffs âșDemokratieâč. Vier Prolegomena zu einer historischen Theorie. Frankfurt am Main 1970, S. 41.
cite-note-4141. â Marschall 2014, S. 25.
cite-note-4242. â Aristoteles, Politik III 7.
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cite-note-4444. â Aristoteles: Politik IV 2, 1289 a 26â29 und 1289 b 2â4.
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cite-note-4747. â Hellmut Flashar: Aristoteles. Lehrer des Abendlandes. 3. Aufl., C.H. Beck, MĂŒnchen 2014, S. 124â127.
cite-note-4848. â Aristoteles: Politik IV 7, 1293 a 39â43 und Politik IV 8, 1293 b 33 f.
cite-note-4949. â Aristoteles: Politik III 7, 1279 a 37 f.
cite-note-5050. â Aristoteles: Politik III 11, 1281 b 4.
cite-note-5151. â Aristoteles: Politik IV 9, 1294 b 6â10.
cite-note-5252. â Aristoteles: Politik IV 9, 1294 b 35â40.
cite-note-5353. â Aristoteles: Politik IV 11, 1295 b 1â34.
cite-note-5454. â Hellmut Flashar: Aristoteles. Lehrer des Abendlandes. 3. Aufl., C.H. Beck, MĂŒnchen 2014, S. 127.
cite-note-5555. â Manfred G. Schmidt, 5. Auflage 2010, S. 48.
cite-note-5656. â Hans VorlĂ€nder: Demokratie. 4. Aufl., C.H. Beck 2020, S. 37.
cite-note-5757. â Panagiotis Argyropoulos: Von der Theorie zur Empirie â philosophische und politische Reformmodelle des 4. bis 2. Jahrhunderts v. Chr. Utz, MĂŒnchen 2013, ISBN 978-3-8316-4244-1, 7.1.3 Polybiosâ Anakyklosistheorie [Verfassungskreislaufstheorie], S. 89â91 (205 S., zugleich Dissertation, UniversitĂ€t MĂŒnchen 2012).
cite-note-5858. â Hans VorlĂ€nder: Demokratie. 4. Aufl., C.H. Beck 2020, S. 40â42 (Zitat).
cite-note-5959. â Hans VorlĂ€nder: Demokratie. Geschichte, Form, Theorien. 4. Aufl., C.H. Beck, MĂŒnchen 2020, S. 38.
cite-note-6060. â Hans VorlĂ€nder: Demokratie. Geschichte, Form, Theorien. 4. Aufl., C.H. Beck, MĂŒnchen 2020, S. 43.
cite-note-6161. â Hans VorlĂ€nder: Demokratie. Geschichte, Form, Theorien. 4. Aufl., C.H. Beck, MĂŒnchen 2020, S. 42.
cite-note-6262. â Samuel Salzborn (Demokratie. Theorien â Formen â Entwicklungen. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage, Nomos, Baden-Baden 2021) stellt beispielsweise gleich nach Aristotelesâ Politik das politische Denken Machiavellis dar; Peter Rinderle: (Demokratie. De Gruyter, Berlin, Boston 2015) springt âmit einem groĂen Satzâ von Platon und Aristoteles âzur Praxis und zur Philosophie der Demokratie in der Neuzeit.â (S. 21)
cite-note-6363. â Hans VorlĂ€nder: Demokratie. Geschichte, Form, Theorien. 4. Aufl., C.H. Beck, MĂŒnchen 2020, S. 42 f.
cite-note-6464. â Hans VorlĂ€nder: Demokratie. Geschichte, Form, Theorien. 4. Aufl., C.H. Beck, MĂŒnchen 2020, S. 44â47.
cite-note-vorl-nder2020p65-6565. â Hans VorlĂ€nder: Demokratie â Geschichte, Formen, Theorien. 4. Auflage. C.H. Beck, MĂŒnchen 2020, ISBN 978-3-406-73816-6, S. 65 f.
cite-note-saage80-6666. â Richard Saage: Demokratietheorien â Historischer Prozess â Theoretische Entwicklung â Soziotechnische Bedingungen. Lehrbuch. In: Grundwissen Politik. 1. Auflage. Band 37. Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005, ISBN 978-3-531-14722-2, S. 80â82.
cite-note-6767. â Samuel Salzborn: Demokratie. Theorien â Formen â Entwicklungen. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2021, S. 28 f.
cite-note-6868. â Samuel Salzborn: Demokratie. Theorien â Formen â Entwicklungen. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2021, S. 30 f.
cite-note-6969. â Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine EinfĂŒhrung. 6. Auflage, Wiesbaden 2010, S. 57â60.
cite-note-7070. â Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine EinfĂŒhrung. 6. Auflage, Wiesbaden 2010, S. 66 f. und 72.
cite-note-7171. â Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine EinfĂŒhrung. 6. Auflage, Wiesbaden 2010, S. 73 f.
cite-note-7272. â Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine EinfĂŒhrung. 6. Auflage, Wiesbaden 2010, S. 69 und 76.
cite-note-7373. â Samuel Salzborn: Demokratie. Theorien â Formen â Entwicklungen. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2021, S. 33 f.
cite-note-7474. â Manfred G. Schmidt Demokratietheorien. Eine EinfĂŒhrung. 6. Auflage, Wiesbaden 2010, S. 88 und 97. FĂŒr Peter Rinderle hat Rousseaus Aussage âimmer wieder viel Verwirrung gestiftetâ, der zufolge man einen BĂŒrger, der sich dem allgemeinen Willen widersetzt, zwingen mĂŒsse, âfrei zu seinâ. (Peter Rinderle: Demokratie. Berlin und Boston 2015, S. 26)
cite-note-7575. â Jean-Jacques Rousseau: Du contrat social ou principes du droit politique (Vom Gesellschaftsvertrag oder GrundsĂ€tze des Staatsrechts) III, 4 und 15.
cite-note-7676. â Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine EinfĂŒhrung. 6. Auflage, Wiesbaden 2010, S. 83 f. und 90.
cite-note-7777. â Philip Dingeldey, Dirk Jörke: Demokratie. In: Brigitta Schmidt-Lauber, Manuel Liebig (Hrsg.): Begriffe der Gegenwart. Ein kulturwissenschaftliches Glossar. Böhlau, Wien 2022, S. 49â55, hier S. 50.
cite-note-7878. â Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine EinfĂŒhrung. 6. Auflage, Wiesbaden 2010, S. 95.
cite-note-7979. â Hans VorlĂ€nder: Demokratie. Geschichte, Form, Theorien. 4. Aufl., C.H. Beck, MĂŒnchen 2020, S. 58 f. und 65.
cite-note-8181. â Thomas Wagner: Irokesen und Demokratie â ein Beitrag zur Soziologie interkultureller Kommunikation. In: Kulturelle IdentitĂ€t und politische Selbstbestimmung in der Weltgesellschaft. Band 10. LIT, MĂŒnster 2004, ISBN 978-3-8258-6845-1 (zugleich Dissertation UniversitĂ€t MĂŒnster, 2002).
cite-note-8282. â Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine EinfĂŒhrung. 6. Auflage, Wiesbaden 2010, S. 98, 104â106 und 108.
cite-note-8383. â Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine EinfĂŒhrung. 6. Auflage, Wiesbaden 2010, S. 109 und 111.
cite-note-8484. â Hans VorlĂ€nder: Demokratie. Geschichte, Form, Theorien. 4. Aufl., C.H. Beck, MĂŒnchen 2020, S. 64 f.
cite-note-8585. â Hans VorlĂ€nder: Demokratie. Geschichte, Form, Theorien. 4. Aufl., C.H. Beck, MĂŒnchen 2020, S. 70 f.
cite-note-8686. â Hans VorlĂ€nder: Demokratie. Geschichte, Form, Theorien. 4. Aufl., C.H. Beck, MĂŒnchen 2020, S. 71â74.
cite-note-8787. â Daniel Eisenmenger: Die vergessene Verfassung Korsikas von 1755 â der gescheiterte Versuch einer modernen Nationsbildung. In: GWU 61 (2010), H. 7/8, S. 430â446.
cite-note-8888. â Ricarda Rapp: Pascal Paoli und die Korsische Verfassung. 1. Auflage. Europa, Rom 2020, ISBN 979-1-22010314-5, Fazit, S. 117 ff. âAlle Mitglieder des Rates bleiben Zeit ihres Lebens in ihrer Funktion und werden in der Dieta vom Volk gewĂ€hlt.â [âŠ] Zusammenfassend lĂ€sst sich festhalten, dass die korsische Verfassung von 1755 ein geschriebenes Dokument rechtlichen Charakters darstellt. Ob und wie weit dieses vor anderen Rechtsnormen Vorrang hat, ist aus dem Verfassungstext nicht direkt ersichtlich.
cite-note-8989. â JĂŒrgen Nautz: Die groĂen Revolutionen der Welt. Marix, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-86539-935-9, Liberale Verfassungsreform in Polen, S. 32 f. âDiese Verfassung sah vor, dass die Regierung von einer demokratisch gewĂ€hlten Volksversammlung berufen werden sollte. [âŠ] Es wurde eine konstitutionelle Monarchie begrĂŒndet [âŠ] Diese Verfassung fĂŒr Polen-Litauen war nach der amerikanischen weltweit die zweite moderne, demokratische Verfassung.â
cite-note-9090. â Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine EinfĂŒhrung. 6. Auflage, Wiesbaden 2010, S. 372 (Tabelle 13).
cite-note-9191. â Hans VorlĂ€nder: Demokratie. Geschichte, Form, Theorien. 4. Aufl., C.H. Beck, MĂŒnchen 2020, S. 74 f.
cite-note-9292. â Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine EinfĂŒhrung. 6. Auflage, Wiesbaden 2010, S. 148 und 151.
cite-note-9393. â Karl Marx: Die KlassenkĂ€mpfe in Frankreich 1848â1850 (1850). In: Karl Marx, Friedrich Engels: Werke, Band 7. Dietz, Ost-Berlin 1960, S. 33 und S. 89.
cite-note-9494. â Mike Schmeitzner: Diktatur des Proletariats. In: Staatslexikon. Recht â Wirtschaft â Gesellschaft. Band 1. 8. Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau 2017, ISBN 3-451-37511-7, S. 1420â1424, hier S. 1420 (online).
cite-note-9595. â Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine EinfĂŒhrung. 6. Auflage, Wiesbaden 2010, S. 151 f.
cite-note-9696. â Hans VorlĂ€nder: Demokratie. Geschichte, Form, Theorien. 4. Aufl., C.H. Beck, MĂŒnchen 2020, S. 84 f. VorlĂ€nder merkt einerseits an, dass das Athener polisdemokratische System damit scheinbar vor einer Wiederbelebung auf proletarischer Grundlage stand; dass andererseits die rĂ€tedemokratisch legitimierte Fusion von Exekutiv- und Legislativgewalt im Extremfall zu terroristisch-gewaltsamer UnterdrĂŒckung von Oppositionellen fĂŒhren konnte. (Ebenda)
cite-note-973. Abschaffung des Geheimen Rates (1716) â Landsgemeinde-Demokratie im Zeitalter des Absolutismus. (PDF; 71 kB) In: ai.ch. Kantonale Verwaltung Appenzell Innerrhoden, 16. MĂ€rz 2009, S. 1, archiviert vom Original am 25. MĂ€rz 2016; abgerufen am 8. Mai 2022.
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cite-note-223216. â Marcus S. Kleiner: Streamland. Wie Netflix, Amazon Prime & Co. unsere Demokratie bedrohen. 4. Aufl., Droemer, MĂŒnchen 2020, S. 25 f.
cite-note-224217. â Marcus S. Kleiner: Streamland. Wie Netflix, Amazon Prime & Co. unsere Demokratie bedrohen. 4. Aufl., Droemer, MĂŒnchen 2020, S. 218 f., 222 und 249.
cite-note-225218. â Leo Roepert: Die konformistische Revolte. Zur Mythologie des Rechtspopulismus. transcript, Bielefeld 2022, ISBN 978-3-8394-6272-0, S. 57 ff. (hier die Zitate); Philip Dingeldey, Dirk Jörke: Demokratie. In: Brigitta Schmidt-Lauber, Manuel Liebig (Hrsg.): Begriffe der Gegenwart. Ein kulturwissenschaftliches Glossar. Böhlau, Wien 2022, S. 49â55, hier S. 53 f.
cite-note-226219. â Vanessa A. Boese: Demokratie in Gefahr? In: Zustand der Demokratie (Aus Politik und Zeitgeschichte Nr. 26-27, 28. Juni 2021, S. 31)
cite-note-2277. Edgell, Amanda B., Seraphine F. Maerz, Laura Maxwell, Richard Morgan, Juraj Medzihorsky, Matthew C. Wilson, Vanessa Boese, Sebastian Hellmeier, Jean Lachapelle, Patrik Lindenfors, Anna LĂŒhrmann, Staffan I. Lindberg: Episodes of Regime Transformation Dataset (v2.0). (CSV; 3,0 MB) dataset. In: v-dem.net. 10. MĂ€rz 2022, abgerufen am 13. Mai 2022 (englisch, Darstellung gemÀà âRegimes of the World-Schemaâ (RoW). DatensĂ€tze aufgerissen nach Datenfeld âyearâ, Regime aus âv2x regimeâ mit Codierung in ERT Codebook.pdf).
cite-note-228221. â Vanessa A. Boese: Demokratie in Gefahr? In: Zustand der Demokratie (Aus Politik und Zeitgeschichte Nr. 26-27, 28. Juni 2021, S. 24)
cite-note-229222. â Vanessa A. Boese: Demokratie in Gefahr? In: Zustand der Demokratie (Aus Politik und Zeitgeschichte Nr. 26-27, 28. Juni 2021, S. 25)
cite-note-230223. â Vanessa A. Boese: Demokratie in Gefahr? In: Zustand der Demokratie (Aus Politik und Zeitgeschichte Nr. 26-27, 28. Juni 2021, S. 31)
cite-note-231224. â Christian Lammert und Boris Vormann: Die Krise der Demokratie und wie wir sie ĂŒberwinden. Aufbau Verlag, Berlin 2017, S. 180 und 182.
cite-note-232225. â Christian Lammert und Boris Vormann: Die Krise der Demokratie und wie wir sie ĂŒberwinden. Aufbau Verlag, Berlin 2017, S. 194 f.
cite-note-233226. â Michael J. Sandel: Das Unbehagen in der Demokratie. Was die ungezĂŒgelten MĂ€rkte aus unserer Gesellschaft gemacht haben. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2023, S. 356 f. und 364.
cite-note-234227. â Peter Rinderle: Demokratie. Berlin und Boston 2015, S. 150â152.
cite-note-235228. â Peter Rinderle: Demokratie. Berlin und Boston 2015, S. 157 f.
cite-note-236229. â Christian Lammert und Boris Vormann: Die Krise der Demokratie und wie wir sie ĂŒberwinden. Aufbau Verlag, Berlin 2017, S. 201â203 und 206 f.